Jahrgang 1993 — Das vergessene Jahr

Ein Jahr, das die Champagne lieber vergessen würde

Es gibt Jahrgänge, die man feiert, und Jahrgänge, über die man schweigt. 1993 gehört eindeutig in die zweite Kategorie. In einer Dekade, die mit 1990 glamourös begann und mit 1996 einen Höhepunkt fand, ist 1993 das schwarze Schaf — ein Jahr, das selbst wohlwollende Kritiker als schwierig bezeichnen.

Das Wetter 1993

Das Wetterjahr 1993 war geprägt von einem Wort: Regen. Der Frühling begann vielversprechend mit milden Temperaturen, doch ab Juni drehte sich das Blatt. Der Sommer war einer der nassesten und kühlsten seit Jahrzehnten. Juli und August brachten anhaltende Niederschläge, niedrige Temperaturen und wenig Sonnenschein.

Die Blüte verlief problematisch — ungleichmäßig und langgestreckt, was zu Verrieselung und Millerandage führte. Die Folge: reduzierte Erträge und uneinheitliche Reife.

Der September brachte etwas Erleichterung, konnte aber die Defizite des Sommers nicht wettmachen. Die Ernte fand unter schwierigen Bedingungen statt, mit erhöhtem Fäulnisdruck in vielen Parzellen. Strenge Selektion war unerlässlich — und nicht jeder Winzer war gleich rigoros.

Stil des Jahrgangs

Die wenigen Champagner, die aus 1993 als Millésime auf den Markt kamen, zeigen ein typisches Profil für ein kühles, nasses Jahr:

  • Hohe Säure — aber nicht die elegante Säure von 1996, sondern eher eine grüne, unreife Schärfe
  • Schlanke Körper — wenig Fruchtfleisch, drahtig bis dünn
  • Kräuternoten — grüner Apfel, Kräuter, manchmal vegetabile Anklänge
  • Kurzes Finish — die Weine fallen im Abgang schnell ab

In den besten Fällen konnten erfahrene Winzer mit strenger Selektion Weine von einer gewissen nervösen Eleganz erzeugen. Aber das war die Ausnahme, nicht die Regel.

Rebsorten im schwierigen Jahr

Pinot Meunier erwies sich als der relative Gewinner. Die robuste, früh reifende Rebsorte kam mit den kühlen Bedingungen am besten zurecht und lieferte zumindest brauchbares Material für die Assemblage.

Pinot Noir litt unter dem Fäulnisdruck und der mangelnden Reife. Die Montagne de Reims hatte mit Botrytis zu kämpfen, und viele Parzellen mussten ausgelesen oder gar nicht gelesen werden.

Chardonnay hatte es ebenfalls schwer. Die Säure war zwar hoch — was grundsätzlich gut ist —, aber die Trauben erreichten keine volle phenolische Reife. Die Weine wirkten oft grün und unausgewogen.

Vergleich mit den Nachbarn

Im Kontext der 90er-Jahre zeigt sich:

  • 1992 war bereits schwach, aber immerhin mit einem rettenden September
  • 1993 setzte noch eins drauf — der schlechtere Jahrgang der beiden
  • 1994 würde leicht besser, aber immer noch unterdurchschnittlich
  • 1995 brachte dann endlich wieder Qualität

Die frühen 90er waren eine harte Phase für die Champagne. Nach dem Dreifach-Triumph 1988/1989/1990 folgten fünf schwierige bis mittelmäßige Jahre, bevor 1995 und dann vor allem 1996 die Trendwende brachten.

Kaum Millésimes deklariert

Die allermeisten Häuser verzichteten 1993 auf eine Jahrgangs-Deklaration. Das Material wanderte fast vollständig in die Non-Vintage-Reserven. Wer doch einen 93er Millésime findet, hat es vermutlich mit einem sehr kleinen Erzeuger zu tun, der in einer besonders geschützten Lage gutes Material ernten konnte.

Große Prestige-Cuvées — Dom Pérignon, Krug, Salon — existieren aus 1993 schlicht nicht. Das allein sagt eigentlich schon alles über die Qualität des Jahrgangs.

Trinkreife und Relevanz heute

Ein 93er Champagner wäre heute über 30 Jahre alt. Selbst wenn er bei der Abfüllung akzeptabel war, sind die Chancen auf ein positives Erlebnis minimal. Die fehlende Fruchtkonzentration und die unreife Säure machen diese Weine extrem anfällig für Oxidation und vorzeitige Alterung.

Mein Rat: Wenn ein 1993er Champagner auftaucht, lieber als Kuriosität betrachten und nicht zu viel erwarten. Und im Zweifel zu einem 1996er greifen — der kostet vielleicht mehr, ist aber eine ganz andere Welt.

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Fazit

1993 ist ein Jahrgang, der uns daran erinnert, dass die Champagne kein Selbstläufer ist. Das nördlichste Weinanbaugebiet Frankreichs lebt von der Gnade des Wetters — und 1993 war das Wetter gnadenlos. Ein historisches Dokument, aber kein Genuss-Jahrgang.

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