Hitzewellen in der Champagne: Was der Klimawandel für unseren Lieblings-Schaumwein bedeutet
Wenn die Ernte plötzlich Wochen früher startet
Ich erinnere mich noch, wie ich vor ein paar Jahren gelesen habe, dass die Weinlese in der Champagne früher im September stattfand. Mittlerweile ist es keine Seltenheit mehr, dass schon Mitte August geerntet wird. Als Enthusiast, der sich privat viel mit der Region beschäftigt, finde ich das eine der spannendsten – und ehrlich gesagt auch beunruhigendsten – Entwicklungen der letzten Jahre.
Winzer, die seit Jahrzehnten in der Champagne arbeiten, berichten davon, dass sie solche Hitzewellen noch nie erlebt haben. Wenn Menschen, die ihr ganzes Berufsleben mit den Reben verbracht haben, von "noch nie dagewesenen" Bedingungen sprechen, dann ist das kein Marketing-Gerede, sondern ein echtes Warnsignal.
Warum ist die Champagne so klimasensibel?
Was viele nicht wissen: Die Champagne liegt eigentlich am nördlichen Rand dessen, was für den Weinbau klimatisch überhaupt möglich ist. Genau das macht die Region ja auch so besonders – dieses kühle Klima sorgt für die charakteristische Säure, die Champagner erst zu Champagner macht. Ohne diese frische, knackige Säurestruktur würde die zweite Gärung anders funktionieren, die Weine würden anders altern, und der ganze Stil würde kippen.
Wenn ich mir vorstelle, dass sich diese klimatische Grenze immer weiter verschiebt, wird mir klar: Hier geht es nicht nur um ein paar wärmere Sommer. Es geht um die Grundlage des gesamten Stilprofils, das wir alle so lieben.
Frühere Ernte bedeutet nicht automatisch schlechtere Trauben
Interessanterweise ist eine frühe Ernte per se nichts Schlechtes. Ich habe beim Verkosten verschiedener Jahrgänge gelernt, dass warme Jahre durchaus großartige Champagner hervorbringen können – man denke nur an 2018 oder 2019, die von vielen Kennern als sehr gute Jahrgänge gefeiert wurden. Das Problem liegt eher in der Unberechenbarkeit: Hitzewellen kommen oft mit Trockenstress, ungleichmäßiger Reife und manchmal auch mit heftigen Hagelstürmen als Kontrastprogramm.
Die Angst vor niedrigen Erträgen
Was mich beim Lesen über dieses Thema am meisten beschäftigt hat, ist die Sorge um die Erntemengen. Für uns Konsumenten klingt das erstmal abstrakt, aber die Konsequenzen sind ziemlich konkret:
- Weniger Trauben bedeuten potenziell weniger Champagner auf dem Markt
- Höhere Produktionskosten für die Winzer, wenn sie in Bewässerung, Schutzmaßnahmen oder Versicherungen investieren müssen
- Preisdruck, der am Ende bei uns als Käufer ankommt
- Stilistische Verschiebungen, die sich über Jahre hinweg bemerkbar machen könnten
Ich vermute, dass sich viele Häuser genau deshalb schon seit einiger Zeit anders aufstellen – mit höher gelegenen Parzellen, anderen Rebsorten-Mischungen oder angepassten Erntezeitpunkten.
Was bedeutet das für uns als Champagner-Liebhaber?
Als jemand, der zuhause gerne verschiedene Jahrgänge nebeneinander verkostet, frage ich mich: Werden wir in zehn oder zwanzig Jahren noch den gleichen Champagner-Stil trinken, den wir heute kennen und lieben?
Meine ehrliche Vermutung: Wahrscheinlich nicht ganz. Ich glaube, wir werden eine schleichende stilistische Veränderung