Die Champagne als Karte
Die Champagne ist nicht eine Region, sondern sechs. Fünf zusammenhängende Subregionen rund um Reims und Épernay plus ein östlicher Außenposten bei Vitry-le-François. Dazu kommt die südliche Aube, die Côte des Bar, über 80 Kilometer weiter südlich, eigentlich näher an Burgund als an der Marne.
Jede dieser Subregionen hat ihre eigene Rebsorten-Hierarchie, ihre eigenen Bodentypen, ihre eigene Stilrichtung. Wer Champagner ernst nimmt, denkt nicht in „der Champagne", sondern in Aÿ-Champagne oder Cramant, Bouzy oder Le Mesnil-sur-Oger, Trélou-sur-Marne oder Les Riceys. Die Commune entscheidet mehr als das Etikett.
Die sechs Subregionen
Montagne de Reims
Pinot-Noir-Heartland zwischen Reims und Épernay. Grand-Cru-Dörfer wie Aÿ-Champagne, Bouzy, Ambonnay, Verzenay, Verzy, Mailly-Champagne. Hier wachsen die kraftvollsten, strukturiertesten Pinot Noirs der Champagne. Wenn ein Blanc de Noirs Tiefe haben soll, kommt er meist von hier.
Vallée de la Marne
Pinot-Meunier-Land entlang des Marne-Flusses, westlich von Épernay bis über Château-Thierry hinaus. Hautvillers (Heimat von Dom Pérignon), Cumières, Damery, Châtillon-sur-Marne. Meunier dominiert hier weil er spätfrostresistent ist, und liefert fruchtige, zugängliche Champagner mit charakteristischer Cremigkeit.
Côte des Blancs
Chardonnay-Paradies, schmaler Hügelzug südlich von Épernay. Grand-Cru-Dörfer Cramant, Avize, Le Mesnil-sur-Oger, Chouilly, Oger, Oiry. Reine Belemniten-Kreide unter den Reben, daraus kommen die mineralischsten, langlebigsten Blanc de Blancs der Welt.
Côte de Sézanne
Kleine Chardonnay-Schwester der Côte des Blancs, südwestlich davon. Sézanne, Bethon, Villenauxe-la-Grande, Vert-Toulon. Wärmer, fruchtiger, weniger streng als die Côte des Blancs, Einsteiger-Chardonnay aus echter Kreide.
Côte des Bar
Die Aube, 80 km südlich, fast schon im Burgund. Les Riceys, Celles-sur-Ource, Urville, Essoyes, Mussy-sur-Seine. Kimméridgien-Boden (wie Chablis), Pinot-Noir-Dominanz, lange als Lieferant der großen Häuser missachtet. Heute kommen hier die spannendsten Winzer-Champagner Frankreichs raus.
Vitry-le-François
Östlicher Außenposten der AOC, ~50 km östlich von Épernay. Kleine, wenig bekannte Region. Couvrot, Bassuet, Soulanges. Liefert hauptsächlich Trauben für die Assemblages der großen Häuser.
Was ich verkostet habe
Bis heute 432 Champagner aus über 200 Maisons. Knapp die Hälfte davon (etwa 205) lässt sich einer bestimmten Commune zuordnen, der Rest stammt aus Reims oder Épernay (Négociants, die Trauben aus mehreren Crus verarbeiten).
Communes mit den meisten Verkostungen
- Chamery, 18 Cuvées (3 Maisons)
- Écueil, 18 Cuvées (4 Maisons)
- Aÿ-Champagne, 15 Cuvées (11 Maisons)
- Trélou-sur-Marne, 11 Cuvées
- Verzenay, 10 Cuvées
- Ludes, 10 Cuvées
→ Komplette Liste aller verkosteten Communes findest du auf der Regionen-Übersicht.
Wie ich die Region lese
Champagne ist für mich kein Marken-Geschäft, sondern ein Boden-Geschäft. Die spannendsten Flaschen kommen meistens nicht aus Reims oder Épernay, sondern aus den 320 AOC-Gemeinden zwischen ihnen, und in der Aube. Wer einmal einen Blanc de Blancs aus Le Mesnil neben einen aus Vertus stellt, versteht warum sechs Kilometer Bodenwechsel einen kompletten Stilbruch machen.
Diese Reihe von Beiträgen ist mein Versuch, die Champagne so granular wie möglich zu kartieren, jede Commune als eigene Seite, mit den dort ansässigen Maisons und meinen Verkostungen. Wo ich noch nicht gewesen bin, fehlt die Seite. Sie wächst mit jeder neuen Flasche.
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