Wenn die Natur den Kalender umschreibt
Als ich zum ersten Mal gelesen habe, dass in der Champagne mittlerweile teils schon Ende August geerntet wird, musste ich kurz nachdenken. Früher war der September der Monat der Lese, in manchen Jahren zog sich das sogar bis in den Oktober. Dass jetzt von der frühesten Ernte der Geschichte die Rede ist, zeigt mir als Enthusiast sehr deutlich: Der Klimawandel ist in der Champagne kein abstraktes Zukunftsthema mehr, sondern verändert schon jetzt, wie dieser Wein gemacht wird.
Für mich als jemand, der zuhause immer wieder verschiedene Jahrgänge und Cuvées nebeneinander verkostet, ist genau das der spannende – und ein bisschen beunruhigende – Teil der Geschichte.
Warum der Erntezeitpunkt für den Geschmack so entscheidend ist
Champagner lebt von einem sehr speziellen Gleichgewicht: hohe Säure, moderater Alkohol, relativ wenig Zucker in den Trauben beim Lesen. Genau diese Kombination ist es, die die berühmte Frische, die Spannung und diese kreidige, mineralische Note ausmacht, die ich an guten Champagnern so liebe.
Die Trauben für Champagner werden traditionell bewusst früher gelesen als anderswo, gerade weil man diese Säure erhalten will. Wird es jetzt aber während der Reifephase im Sommer immer heißer, steigt der Zuckergehalt in den Beeren schneller, während die Säure schneller abgebaut wird. Das bedeutet: Wer zu spät erntet, riskiert Trauben, die zu reif, zu süß und zu wenig frisch für den typischen Champagner-Stil sind. Also erntet man früher – manchmal deutlich früher als noch vor 20 oder 30 Jahren.
Was heißt das konkret für meinen Lieblingsgetränk?
Ich finde, man muss hier zwei Dinge unterscheiden:
Kurzfristig bedeutet eine sehr heiße, trockene Saison mit früher Ernte oft: höhere potenzielle Alkoholwerte, etwas weniger natürliche Säure, manchmal auch ungewöhnlich kompakte, intensive Aromen. Das kann in guten Händen erstaunlich gute Weine ergeben – kraftvoller, reifer, manchmal mit exotischeren Fruchtnoten. Ich habe selbst Cuvées aus warm