Fromenteau — Der Champagne-Pinot-Gris

Der andere Name

Was im Elsass Pinot Gris heißt, heißt in der Champagne traditionell Fromenteau. Die Sorte ist offiziell zugelassen, aber extrem selten. Wie Arbane und Petit Meslier gehört sie zu den "Cépages Oubliés" — den vergessenen Rebsorten.

Der Name Fromenteau leitet sich wahrscheinlich vom französischen "froment" (Weizen) ab — ein Hinweis auf die goldgelbe Farbe der reifen Trauben, die an reifes Getreide erinnert. In historischen Dokumenten findet man auch die Schreibweisen "Fromentot" oder "Fromenteau gris". Es ist genetisch identisch mit Pinot Gris, aber der eigenständige Name unterstreicht die lange Geschichte der Sorte in der Champagne.

Geschichte und Bedeutung

Fromenteau hat in der Champagne eine bedeutendere Vergangenheit, als man heute vermuten würde. Vor der Reblaus war die Sorte deutlich weiter verbreitet — manche Historiker vermuten, dass sie in bestimmten Gegenden der Champagne sogar zu den Hauptsorten zählte. Historische Quellen aus dem 17. und 18. Jahrhundert beschreiben "Fromenteau"-Weine als besonders geschätzt.

Im sogenannten "Vin de la Rivière" — dem berühmten Stillwein der Champagne, der vor der Erfindung des Schaumweins das Hauptprodukt der Region war — spielte Fromenteau eine wichtige Rolle. Es wird sogar vermutet, dass einige der Weine, die den frühen Ruhm der Champagne begründeten, einen signifikanten Fromenteau-Anteil hatten.

Charakter

Fromenteau bringt Fülle, exotische Fruchtaromen und eine leicht rauchige Note. In der Assemblage kann ein kleiner Anteil einen Champagner deutlich komplexer machen.

Das Aromenprofil ist unmissverständlich eigenständig:

  • Exotische Frucht — Litschi, Mango, reife Ananas
  • Rauch — Eine dezente, fast speckige Räuchernote
  • Honig — Selbst in jungem Zustand eine leichte Honigsüße
  • Gewürze — Ingwer, Zimt, eine Wärme, die andere Champagner-Sorten nicht haben
  • Wachs — Ähnlich wie Arbane eine wachsige Textur

Im Vergleich zu den drei Hauptsorten bringt Fromenteau eine aromatische Dimension, die in der Champagne sonst fehlt. Die exotische Frucht und die Gewürzigkeit erinnern eher an die großen Pinot Gris aus dem Elsass — aber in der Champagne-Version schlanker, frischer und mit der für die Region typischen Säurestruktur.

Fromenteau in der Assemblage

Wenige Winzer nutzen Fromenteau, aber die, die es tun, schwören auf seinen Beitrag zur Assemblage. Ein Anteil von 5-15% kann eine Cuvée spürbar bereichern:

  • Die exotischen Aromen geben dem Champagner eine Dimension, die Chardonnay und Pinot Noir allein nicht erreichen
  • Die natürliche Fülle der Sorte gibt dem Wein ein breiteres Mundgefühl
  • Die leichte Rauchigkeit fügt Komplexität hinzu, ohne den Champagner schwer zu machen

In einer "Cépages Oubliés"-Cuvée, die alle vier vergessenen Sorten vereint, ist Fromenteau oft der auffälligste Bestandteil. Seine Aromen sind markanter als die von Pinot Blanc, weniger herb als Petit Meslier und zugänglicher als Arbane.

Anbau und Herausforderungen

Fromenteau ist im Anbau weniger problematisch als Arbane oder Petit Meslier. Die Sorte ist relativ robust und liefert akzeptable Erträge. Der Hauptgrund für ihre Seltenheit ist nicht ihre Schwierigkeit, sondern schlicht die historische Entscheidung, sie durch die produktiveren Hauptsorten zu ersetzen.

Ein Problem ist allerdings die Traubenfärbung. Die Beeren von Fromenteau sind grau-rosa — deutlich dunkler als Chardonnay. Beim Pressen muss man sorgfältig arbeiten, um Farbübertragung zu vermeiden. Das ist der gleiche Grund, warum die Sorte manchmal als "schwierig" gilt — obwohl das Pressen roter Trauben in der Champagne Standard ist.

Wo findet man Fromenteau?

Die wenigen verbliebenen Bestände stehen hauptsächlich in der Aube (Côte des Bar) und vereinzelt auf der Côte des Blancs. Manche dieser Reben sind alt — 60, 70 oder sogar 80 Jahre. Alte Reben liefern weniger Ertrag, aber konzentriertere, aromatischere Trauben. Ein Fromenteau von alten Reben hat eine Intensität, die jüngere Anpflanzungen nicht erreichen.

Zukunft

Von allen vergessenen Sorten hat Fromenteau vielleicht das größte Potenzial für ein Comeback. Die Sorte ist weniger schwierig im Anbau als Arbane oder Petit Meslier, sie liefert verlässlichere Erträge und bringt ein Aromenprofil, das sich klar von den drei Hauptsorten unterscheidet. In einer Champagne, die zunehmend nach Individualität und Einzigartigkeit strebt, könnte Fromenteau einen festen Platz finden.

Der Klimawandel könnte dabei helfen. In einer wärmeren Champagne, in der Chardonnay seine Säure verliert, könnte Fromenteau als Alternative interessant werden — eine Sorte, die natürliche Fülle mitbringt und mit höheren Temperaturen besser zurechtkommt.

3 Champagner mit Fromenteau in meiner Sammlung. Die Sorte verdient mehr Aufmerksamkeit — sie zeigt eine Facette der Champagne, die die meisten nie kennenlernen.

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