Weniger als einen Hektar
Arbane ist nicht nur selten, sie ist fast mythisch. Weniger als ein Hektar ist in der gesamten Champagne mit dieser Sorte bepflanzt. Wer einen Champagner mit Arbane-Anteil trinkt, trinkt ein Stück Weingeschichte.
Um diese Seltenheit einzuordnen: Die Champagne hat insgesamt rund 34.000 Hektar Rebfläche. Davon entfällt weniger als ein Hektar auf Arbane. Das entspricht einem Anteil von ungefähr 0,003%. Man könnte die gesamte Arbane-Fläche der Champagne in einen mittleren Fußballplatz packen und hätte noch Platz übrig.
Geschichte
Arbane ist eine der ältesten dokumentierten Rebsorten der Champagne. Historische Aufzeichnungen aus dem 16. und 17. Jahrhundert erwähnen sie als festen Bestandteil des regionalen Sortiments. Vor der Reblaus-Krise war sie verbreiteter, nicht dominant, aber präsent. In den alten Mischpflanzungen der Aube stand Arbane neben Pinot Noir, Chardonnay und den anderen lokalen Sorten.
Die Reblaus änderte alles. Bei der Neubepflanzung wählte man die produktivsten Sorten. Arbane, mit ihren winzigen Erträgen und ihrer Anfälligkeit für Krankheiten, hatte in dieser neuen Ökonomie keinen Platz. Dass sie überlebt hat, verdankt sie einigen wenigen Winzerfamilien in der Aube, die ihre alten Reben nicht gerodet haben.
Charakter
Arbane reift sehr spät und liefert Weine mit hoher Säure und einem eigenartigen, fast exotischen Aromenprofil: Quitte, grüner Apfel, Kräuter. In der Assemblage gibt sie eine unverwechselbare Handschrift.
Das Aromenprofil von Arbane ist wirklich einzigartig:
- Quitte, Das Leitmotiv. Eine reife, leicht oxidative Quitten-Note, die an Quittenbrot erinnert
- Grüner Apfel, Knackig, frisch, mit einer fast herben Schärfe
- Kräuter, Thymian, Rosmarin, eine mediterrane Wildheit, die man in der Champagne nicht erwartet
- Zitrusschale, Nicht der Saft, sondern die Schale: bitter, aromatisch, intensiv
- Wachs, Eine leicht wachsige Textur, die dem Wein eine fast haptische Qualität gibt
Die Säure ist hoch, aber anders als bei Petit Meslier nicht stechend, sondern eher breit und umfassend. Das gibt Arbane-Weinen trotz ihrer Schlankheit eine gewisse Fülle.
Anbau: Warum so wenig?
Die Gründe für die Seltenheit von Arbane sind rein praktisch:
- Ertragsschwäche: Arbane produziert winzige Mengen. In einem schlechten Jahr kann der Ertrag auf nahezu null fallen.
- Späte Reife: Arbane reift nach allen anderen Sorten, in manchen Jahren so spät, dass die Trauben vom Frost bedroht sind, bevor sie geerntet werden können.
- Krankheitsanfälligkeit: Die Sorte ist empfindlich gegen Mehltau und Botrytis.
- Schwierige Vermehrung: Stecklinge von Arbane wachsen schlecht an. Die Vermehrung ist mühsam und zeitaufwendig.
All diese Faktoren machen Arbane zu einer ökonomischen Katastrophe, zumindest auf dem Papier. In der Praxis ist es die Leidenschaft einzelner Winzer, die diese Sorte am Leben hält. Nicht weil es sich rechnet, sondern weil es sie fasziniert.
Wo man sie findet
Hauptsächlich in der Côte des Bar (Aube), wo einige wenige Winzer sie als Teil ihrer "Cépages Oubliés" (vergessene Rebsorten) bewahren.
Die Aube hat eine besondere Beziehung zu den vergessenen Sorten. Historisch war die Region stärker von Mischpflanzungen geprägt als die nördlichere Champagne. Und da die Aube lange als "zweite Wahl" galt und weniger Modernisierungsdruck herrschte, haben sich hier mehr alte Rebbestände erhalten als anderswo.
Manche Winzer in der Aube keltern spezielle "Cépages Oubliés"-Cuvées, in denen Arbane zusammen mit Petit Meslier, Pinot Blanc und Fromenteau verarbeitet wird. Diese Champagner sind Raritäten, oft nur wenige hundert Flaschen pro Jahr, und sie bieten einen Geschmack, den die drei Hauptsorten allein nicht liefern können.
Arbane im Glas
Einen reinen Arbane-Champagner zu probieren, ist ein Erlebnis, das man nicht vergisst. Der Wein ist anders als alles, was man von der Champagne gewohnt ist. Kein strahlender Chardonnay, kein kraftvoller Pinot Noir, kein charmanter Meunier. Stattdessen etwas Eigenartiges, Wildes, fast Anarchisches. Die Aromen wechseln mit jedem Schluck, die Textur überrascht, und am Ende bleibt ein langer, kräuteriger Abgang, der zum Nachdenken anregt.
Erhaltung und Zukunft
Die Erhaltung von Arbane ist eine Frage der Prioritäten. Genetische Vielfalt im Weinberg ist nicht nur kulturell, sondern auch agronomisch wichtig. Jede Rebsorte trägt einzigartige genetische Informationen, die in einer wärmer werdenden Welt relevant werden könnten. Vielleicht hat Arbane Eigenschaften, die in 50 Jahren für die Champagne wertvoll sind, Eigenschaften, die wir heute noch nicht kennen.
3 Champagner mit Arbane, jeder ein Unikat. Diese Sorte ist der Beweis, dass die Champagne mehr ist als Chardonnay, Pinot Noir und Meunier.
Posts
the_champagne.guy Heute gibt es mit dem Cépages d’Antan von @champagneaspasie mal einen kleinen Exkurs abseits von Chardonnay, Pinot Noir und Pinot Meunier. Hier geht es nicht um die großen Drei der Champagne, sondern um die fast vergessenen weißen Rebsorten: Arbane, Petit Meslier und Pinot Blanc. Es ist faszinierend, wie Paul-Vincent Ariston diese Raritäten aus einem einzigen Jahr zu so einem kompakten Erlebnis formt. In der Nase ist das erst mal angenehm ungewohnt – fast etwas erdig, mit Noten von frischem Ingwer, Zitrone und Pomelo. Am Gaumen zeigt er sich dann herrlich geradlinig und frisch mit einer präzisen Zitrus-Säure. Wer auf kreidige Mineralität und die kühle Frische von aromatischen Kräutern steht, wird diese Flasche garantiert feiern. Champagne-Facts 🍇 40% Arbane · 40% Petit Meslier · 20% Pinot Blanc 🪵 Trauben aus einem einzigen Jahrgang 🕰 Lange Reife auf der Hefe 🍬 Brut 📍 Brouillet · Vallée de la Marne Fazit: Ein absolutes Must-have für Rebsorten-Nerds und alle, die den Horizont jenseits von Chardonnay und Pinot erweitern wollen. Komplex, kräuterig und messerscharf. #TheChampagneGuy @riedel_official @grad.dk @laclaye #ChampagneAspasie #CepagesDAntan #RareGrapes #GrowerChampagne
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the_champagne.guy Es gibt Winzer, die arbeiten im Hintergrund – ruhig, präzise, ohne großes Marketing. Und Champagner hat ja ohnehin die schöne Eigenschaft, keine Bühne zu brauchen, sondern selbst die Bühne zu sein. Die Cuvée Jean-Baptiste von @persevalfarge ist so eine Flasche, die du nicht zufällig trinkst. Chamery, Premier Cru, fünfte Generation – alles auf Handwerk und Identität gebaut. Und genau das spürst du in dieser Cuvée sofort. Im Glas startet er kernig, hell und ernsthaft: feine Kräuter, etwas Zitrusschale, ein Hauch Steinobst, alles dezent im Hintergrund gehalten – als würde er sich erst langsam öffnen wollen. Auf dem Gaumen dann dichter, komplexer, strukturierter als erwartet: kühle Klarheit vom Chardonnay, rote Tiefe vom Pinot Noir und diese winzigen Nuancen der seltenen Rebsorten Arbane, Petit Meslier und Pinot Gris. Das macht etwas mit der Textur. Es wirkt fast wie eine Mischung aus Präzision und rauchiger Wärme. Champagne-Facts 🥂 Assemblage: 53 % Chardonnay · 34 % Pinot Noir · 8 % Meunier · 5 % Arbane, Petit Meslier & Pinot Gris 📅 Basis: 58 % Jahrgang 2012 🪵 Reserveweine: 42 % aus 2013 / 2011 / 2010 und älter 42 % der Weine im Holz ausgebaut (Mise en fûts 2014) 📍 Terroir: Chamery · Premier Cru 🍬 Dosage: 5,5 g/l (Brut) 🕰 Degorgiert: 01/2024 🍷 Stil: komplex · strukturiert · ruhig · anspruchsvoll #TheChampagneGuy @riedel_official @grad.dk #PersevalFarge #JeanBaptiste #PremierCru #Chamery #RareGrapes #Arbane #PetitMeslier #PinotGris #ChampagneMoment #ChampagneLife
Auf Instagram weiterlesen →the_champagne.guy Heute endlich mein Post zum @persevalfarge – Les Goulats. Bei dieser Flasche hat mich vor allem die Rebsorten-Mischung gereizt – Arbane, Petit Meslier und Pinot Gris (zusammen 78 %) plus 22 % Chardonnay. Diese drei „vergessenen“ Sorten sind Teil der ursprünglichen DNA der Champagne, aber heute kaum noch zu finden. Umso spannender, wenn ein Winzer sie bewusst in den Vordergrund stellt. Im Glas zeigt sich der Les Goulats dann auch genauso charaktervoll, wie man es erwarten würde: gelbes Steinobst, Mirabelle, ein Hauch Nuss und etwas Holz. Sehr trocken, fast puristisch, mit einer feinen, lebendigen Säure. Trotz seiner Klarheit wirkt er ruhig und ausgewogen – kein lauter Wein, aber einer, der mit jeder Minute mehr Tiefe zeigt. Champagne-Facts 🍇 Assemblage: 78 % Arbane, Petit Meslier, Pinot Gris · 22 % Chardonnay 🪵 Ausbau: 100 % Holzfässer (fûts) 🍬 Dosage: 4 g/l (Brut) 📆 Jahrgänge im Blend: 2014 (64 %) + 2013 (36 %) 🍾 Tirage: 2016 · Produktion: 1.076 Flaschen 🗓️ Dégorgement: 05/2022 📍 Herkunft: Chamery, Montagne de Reims – Premier Cru Eine Flasche, die zeigt, dass Geschichte und Innovation sich nicht ausschließen müssen – sondern sich manchmal perfekt ergänzen. #TheChampagneGuy @grad.dk @riedel_official #Champagne #PersevalFarge #LesGoulats #Arbane #PetitMeslier #PinotGris #PremierCru #GrowerChampagne #ChampagneMoments
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