Côte des Bar — Der unterschätzte Süden

150 Kilometer von Reims entfernt

Die Côte des Bar liegt im Département Aube, rund 150 Kilometer südlich von Reims und Épernay. Für die Champagner-Welt war das lange "zu weit weg" — die Häuser in Reims kauften zwar gerne Trauben aus der Aube (günstig und reichlich), aber Ernst genommen wurde die Region selten.

Das hat sich grundlegend geändert. Heute ist die Côte des Bar eine der dynamischsten Regionen der Champagne, mit einer Dichte an talentierten Winzern, die ihresgleichen sucht.

83 Champagner aus der Côte des Bar habe ich verkostet — mehr als aus jeder anderen Region. Kein Zufall.

Das Terroir

Was die Côte des Bar von den nördlichen Regionen unterscheidet, ist der Boden: Statt Kreide dominiert hier Kimmeridge-Mergel — ein Kalkstein-Ton-Gemisch aus dem oberen Jura, dasselbe Gestein, das auch im Chablis-Gebiet vorkommt (das nur 30 km entfernt liegt).

Dazu kommt ein wärmeres, kontinentaleres Klima als in Reims. Die Konsequenz:

  • Reifere Trauben — Mehr Frucht, weniger schneidende Säure
  • Kräftigere Weine — Mehr Körper, breitere Textur
  • Eigenständiger Charakter — Wer einen Aube-Champagner blind verkostet, merkt den Unterschied

Pinot Noir ist König

Die Côte des Bar ist Pinot-Noir-Land. Über 80% der Rebfläche sind mit Pinot Noir bepflanzt. Das macht die Region zum natürlichen Ursprung von:

  • Kraftvollen Blanc de Noirs — 100% Pinot Noir, Struktur und dunkle Frucht
  • Intensiven Rosés — Besonders Rosé de Saignée aus Pinot Noir der Aube hat eine beeindruckende Tiefe
  • Charakterstarken Assemblages — Der Pinot Noir der Côte des Bar gibt Assemblages Rückgrat

Die Winzer-Revolution

Was in der Côte des Bar passiert, erinnert an das, was vor 20 Jahren in Burgund geschah: Eine neue Generation von Winzern stellt alles in Frage. Biodynamie, Einzellagen-Abfüllungen, minimale Intervention, Naturwein-Einflüsse — die Aube ist das Experimentierfeld der Champagne.

Namen, die man kennen sollte (und die längst kein Geheimtipp mehr sind): Cédric Bouchard, Marie Courtin, Champagne Fleury, Jacques Lassaigne, Olivier Horiot.

83 Champagner aus der Côte des Bar — und jeder hat mich darin bestätigt: Diese Region produziert einige der spannendsten Champagner überhaupt. Nicht die elegantesten, nicht die filigransten — aber die mutigsten, die eigenständigsten, die mit dem meisten Charakter.

Côte des Bar vs. "der Norden"

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Meine Posts dazu

Côte des Bar Côte des Blancs / Montagne de Reims
Boden Kimmeridge-Mergel Kreide (Belemniten)
Klima Wärmer, kontinentaler Kühler, atlantischer
Hauptrebsorte Pinot Noir (80%+) Chardonnay / Pinot Noir
Stil Kräftig, fruchtig, vinös Elegant, mineralisch, straff
Cru-System Keine Grand/Premier Crus Zahlreiche Grand/Premier Crus
Ruf Aufsteiger Etabliert

Für Einsteiger

Wer die Côte des Bar entdecken will: Suche nach Champagnern mit "Aube" oder "Bar-sur-Aube" / "Bar-sur-Seine" auf dem Etikett. Oder direkt nach Winzern aus Les Riceys, Celles-sur-Ource, Landreville oder Essoyes.

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