Der Jahrgang des Klimawandels
2019 war heiß. Richtig heiß. Mit Rekordtemperaturen im Sommer und einer der frühesten Ernten seit Beginn der Aufzeichnungen hat dieser Jahrgang die Champagne vor neue Herausforderungen gestellt. Die große Frage war: Kann man bei solcher Hitze noch Champagner mit Frische und Spannung machen?
Die Antwort, nach 35 verkosteten 2019ern: Ja. Aber anders als erwartet.
Das Wetter
Der Winter war mild, der Frühling wechselhaft mit Spätfrost-Gefahr im April. Der Sommer brachte dann zwei extreme Hitzewellen — Ende Juni und Ende Juli kletterten die Temperaturen über 40°C. Einige Parzellen erlitten Sonnenbrand an den Trauben.
Die Reben reagierten mit einem Selbstschutzmechanismus: Sie fuhren die Photosynthese herunter und verfielen in eine Art Trockenstress-Pause. Das verlangsamte die Reifung — und rettete paradoxerweise die Säurewerte. Als die Ernte ab Mitte September begann, waren die Trauben reif, aber nicht überreif.
Stil des Jahrgangs
2019 bringt einen Stilbruch mit sich — weg vom straffen, säurebetonten Champagner-Ideal hin zu reiferer Frucht und weicherer Textur:
- Reife Frucht — Gelber Apfel, Pfirsich, Mirabelle statt Zitrus
- Weiche Säure — Weniger schneidend als 2018 oder 2016
- Fülle — Mehr Körper, breiteres Mundgefühl
- Frühreife — Viele 2019er sind jetzt schon zugänglich und trinkfertig
- Wärme — Manchmal spürt man die Hitze, besonders bei höherer Dosage
2019 ist kein Jahrgang für Puristen, die Champagner nur "straff und mineralisch" akzeptieren. Aber wer offen ist für einen üppigeren Stil, findet hier wunderbare Champagner — besonders bei den Winzern, die bewusst mit der Hitze gearbeitet haben statt dagegen.
Rebsorten im Vergleich
Chardonnay hat in 2019 gut reagiert — die Sorte verträgt Hitze besser als ihr Ruf. Blanc de Blancs aus 2019 können überraschend elegant sein, besonders von den Kreideböden der Côte des Blancs, die kühlende Mineralität beisteuern.
Pinot Noir lieferte konzentrierte, farbintensive Trauben. Rosé-Champagner aus 2019 sind oft besonders intensiv und fruchtig.
Pinot Meunier — hier wird es kritischer. Meunier reift ohnehin früh und kann bei Hitze schnell zu viel Zucker und zu wenig Säure aufbauen. Die besten Meunier-basierten 2019er kommen von älteren Reben mit tiefem Wurzelwerk.
Meine 2019er
35 Champagner aus diesem Jahrgang — mein am häufigsten verkosteter. Das liegt nicht nur an der Qualität, sondern auch daran, dass 2019 aktuell der Jahrgang ist, den die meisten Winzer gerade auf den Markt bringen.
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| Ernte | Ab Mitte September |
| Charakter | Reif, fruchtig, weich |
| Säure | Moderat (niedriger als 2018/2016) |
| Vergleich | Stilistisch näher an 2015 als an 2018 |
| Trinkreife | Viele sind jetzt genussreif |
| Lagerpotenzial | Mittel — die besten 5-10 Jahre |
| Verkostete Champagner | 11 |