Rare Champagne 2012: 100 Punkte von James Suckling – verdient oder Hype?
Als ich die Meldung zum ersten Mal gelesen habe, musste ich kurz innehalten: 100 von 100 Punkten für den champagne/">Rare Champagne 2012, vergeben von James Suckling. Eine perfekte Wertung ist in der Weinwelt immer ein Ereignis – bei Champagner aber noch seltener und deshalb umso diskussionswürdiger. Ich wollte mir das genauer anschauen, nicht weil ich der Punktzahl blind vertraue, sondern weil mich interessiert, was hinter so einer Bewertung steckt und was sie für uns Champagner-Liebhaber eigentlich bedeutet.
Was ist Rare Champagne überhaupt?
Für alle, die mit dem Namen wenig anfangen können: Rare Champagne ist die Prestige-Cuvée aus dem Haus Piper-Heidsieck. Die Marke wurde in den 1970er-Jahren ins Leben gerufen und über die Jahre eher zurückhaltend, fast schon exklusiv gepflegt – es gibt sie nicht in jedem Jahrgang, sondern nur dann, wenn die Trauben aus Sicht des Kellerteams außergewöhnlich genug sind. Das allein macht jede neue Freigabe zu einem kleinen Ereignis unter Kennern. Rare hat sich in den letzten Jahren zunehmend als ernstzunehmender Gegenspieler zu den ganz großen Prestige-Cuvées wie Dom Pérignon oder Cristal positioniert – mit einer eigenen Handschrift, die für mich oft von einer sehr präzisen, fast schon strengen Frucht geprägt ist.
Warum ausgerechnet der Jahrgang 2012?
Wer sich mit Champagner-Jahrgängen beschäftigt, kennt 2012 als einen dieser Jahrgänge, die auf dem Papier eine Katastrophe hätten werden können. Frost im Frühjahr, Hagel, Mehltau-Druck durch feuchtes Wetter – die Erntemengen fielen entsprechend klein aus, teilweise deutlich unter dem Durchschnitt. Und doch gilt 2012 in der Champagne inzwischen fast als kleines Wunderjahr. Die Trauben, die die Widrigkeiten überstanden haben, brachten offenbar eine bemerkenswerte Konzentration und Reife mit sich. Ich habe das bei anderen 2012er-Champagnern, die ich zuhause probieren durfte, selbst als sehr dichte, kraftvolle Stilistik wahrgenommen – viel Substanz, aber trotzdem mit dieser typischen Champagner-Frische im Hintergrund. Dass gerade dieser Jahrgang jetzt für eine Perfektwertung sorgt, passt für mich ins Bild.
Was bedeutet eine 100-Punkte-Wertung eigentlich?
Hier möchte ich ehrlich sein: Ich bin kein Sommelier und maße mir nicht an, die Bewertungsmethodik von James Suckling im Detail zu beurteilen. Aber als jemand, der sich privat viel mit Champagner beschäftigt, habe ich über die Jahre gelernt, mit solchen Punktzahlen vorsichtig umzugehen. 100 Punkte klingen nach Objektivität, sind aber am Ende immer die persönliche Einschätzung einer einzelnen Person zu einem bestimmten Zeitpunkt. Das schmälert die Leistung nicht – ein Champagner, der so eine Wertung bekommt, macht sicher vieles richtig. Aber ich würde nie einen Champagner nur wegen der Zahl kaufen, ohne selbst eine Vorstellung davon zu haben, welcher Stil mir eigentlich schmeckt.
Gleichzeitig verstehe ich, warum solche Meldungen in der Branche für Wirbel sorgen. Für ein Haus wie Piper-Heidsieck ist eine Perfektwertung für die Prestige-Cuvée natürlich ein enormer Marketing-Erfolg. Und ehrlich gesagt: Auch ich werde jetzt neugieriger auf den Rare 2012 sein, als ich es ohne diese Meldung gewesen wäre. Das ist ja genau der Effekt, den solche Bewertungen auslösen sollen.
Meine persönliche Einordnung
Was mich an der Geschichte am meisten fasziniert, ist eigentlich weniger die Zahl selbst, sondern das, was sie über den Jahrgang 2012 aussagt. Es zeigt für mich wieder einmal, wie wenig ein schwieriges Erntejahr über die tatsächliche Qualität am Ende aussagen muss. Manche der besten Champagner, die ich bisher verkostet habe, stammen aus Jahren, die auf dem Papier nach Problemen klangen.
Ob der Rare 2012 für mich persönlich tatsächlich ein 100-Punkte-Erlebnis wäre, kann ich nicht sagen, ohne ihn selbst im Glas gehabt zu haben. Und genau da liegt für mich der eigentliche Reiz: Eine Wertung wie diese ist eine Einladung, genauer hinzuschauen – nicht ein Urteil, das man einfach übernehmen sollte. Ich werde definitiv versuchen, eine Flasche in die Finger zu bekommen. Nicht wegen der 100 Punkte, sondern weil mich der Jahrgang und die Cuvée schon vorher interessiert haben.