Champagne vintage will be strongest ever after scorching summer - The Telegraph

Heißer Sommer, großer Jahrgang? Was hinter den Schlagzeilen zum Champagner-Jahrgang steckt

Ein Sommer, über den alle reden

Als ich die ersten Meldungen gelesen habe, dass dieser Sommer in der Champagne einer der heißesten und trockensten seit Langem war, musste ich sofort an all die Jahrgangs-Champagner denken, die gerade in meinem Kühlschrank liegen. Wird 2025 (oder das entsprechende Erntejahr, um das es hier geht) wirklich ein Jahrhundert-Jahrgang? Als Enthusiast, der zuhause gerne mit einem Glas in der Hand über solche Themen nachdenkt, finde ich diese Frage spannender, als sie zunächst klingt.

Denn eines habe ich beim Verkosten über die Jahre gelernt: Ein heißer Sommer ist noch lange keine Garantie für einen großen Champagner. Die Champagne tickt anders als klassische Rotweinregionen.

Warum heiße Sommer in der Champagne eine zweischneidige Sache sind

Champagner lebt von Säure, Frische und Spannung. Das ist der Grund, warum die Region so weit nördlich liegt und warum die Winzer dort traditionell eher mit zu wenig Reife als mit zu viel kämpfen. Ein warmer, trockener Sommer sorgt für:

  • Höhere Zuckerwerte in den Trauben – gut für den Alkoholgehalt, aber riskant für die Balance
  • Schnellere Reife – die Ernte kann Wochen früher beginnen als üblich
  • Weniger Säure – und genau die ist das Rückgrat jedes guten Champagners

Für mich als jemand, der Champagner vor allem wegen seiner Frische und Eleganz liebt, ist das immer der Punkt, an dem ich skeptisch werde, wenn von einem "historischen" Jahrgang die Rede ist. Ein zu warmer Sommer kann durchaus reife, kraftvolle Trauben liefern – aber manchmal fehlt am Ende genau das, was Champagner von einem gewöhnlichen Schaumwein unterscheidet: diese messerscharfe Säure, die einen dazu bringt, nach dem ersten Schluck sofort den zweiten zu wollen.

Was einen wirklich großen Jahrgang ausmacht

Aus meiner Sicht als Hobby-Verkoster ist die Erntezeit selbst mindestens genauso entscheidend wie der Sommer davor. Ein heißer August bedeutet erstmal nur: Die Trauben sind früh reif. Ob daraus ein großartiger Jahrgang wird, hängt von Faktoren ab, die viel unspektakulärer klingen:

Kam der Regen zur richtigen Zeit?

Ein paar kühle Nächte und etwas Regen kurz vor der Lese können den Unterschied machen zwischen überreifen, flachen Trauben und Trauben mit genau der Säure-Zucker-Balance, die man für einen eleganten Grundwein braucht.

Wie war die Wasserversorgung während der Reifephase?

Trockenstress kann Aromen konzentrieren – aber zu viel davon führt zu unausgewogenen, manchmal fast schon "gekochten" Aromen, die für mich so gar nicht nach Champagne schmecken.

Wie haben die Winzer reagiert?

Die Lesezeit ist in heißen Jahren eine Nervenschlacht. Ich habe gelesen, dass Häuser in solchen Jahren teilweise nachts ernten lassen, um die Trauben kühl zu halten, oder in mehreren Wellen picken, um genau den richtigen Reifegrad pro Parzelle zu erwischen. Das ist Handwerk, keine Wettervorhersage.

Meine persönliche Einschätzung: Vorsicht bei der Euphorie

Ich gebe zu, ich bin bei solchen Schlagzeilen immer ein bisschen zwiegespalten. Einerseits liebe ich die Vorstellung eines großen, kraftvollen Jahrgangs – Erinnerungen an 2002 oder 2012 machen mich als Champagner-Fan sofort neugierig. Andererseits weiß ich mittlerweile: "Heißester Sommer aller Zeiten" ist eine Schlagzeile, die verkauft – aber sie sagt noch nichts über die Qualität im Glas.

Was ich viel spannender finde, ist die Frage, wie die einzelnen Häuser mit den Bedingungen umgehen. Ein großer Jahrgang zeigt sich nämlich oft erst darin, wie unterschiedlich die Winzer reagieren. Manche werden früh und mutig ernten. Andere werden abwarten und riskieren, dass ihnen die Säure davonläuft. Genau diese Entscheidungen machen später den Unterschied zwischen einem Jahrgangs-Champagner, der in zehn Jahren noch fasziniert, und einem, der schon nach drei Jahren müde wirkt.

Was das für uns als Trinker bedeutet

Realistisch betrachtet werden wir die Auswirkungen dieses Sommers erst in einigen Jahren im Glas erleben – Jahrgangs-Champagner brauchen schließlich ihre Zeit im Keller, bevor sie überhaupt auf den Markt kommen. Bis dahin bleibt mir nur, neugierig zu bleiben und mich nicht von reißerischen Überschriften blenden zu lassen.

Für mich persönlich heißt das: Ich werde die Entwicklung im Auge behalten, mich auf die ersten Verkostungsnotizen der Fachpresse in ein paar Jahren freuen – und bis dahin einfach weiter das trinken, was mir schmeckt. Denn am Ende zählt für mich nicht die Schlagzeile über den Sommer, sondern das, was tatsächlich im Glas ankommt.

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