Als ich die ersten Bilder der neuen Dom Pérignon Edition gesehen habe, musste ich erstmal zweimal hinschauen. Dieses kaleidoskopartige Muster, dieses Flirren aus verschobenen Wappenschilden in elektrischem Blau und Violett, das sieht man nicht alle Tage auf einer Champagnerflasche. Seit dem 1. Oktober ist sie im Handel: die Kollaboration zwischen Dom Pérignon und Damien Hirst, einem der bekanntesten und umstrittensten Künstler Großbritanniens. Zeit, dass ich meine Gedanken dazu sortiere.
Wer ist Damien Hirst überhaupt?
Für alle, die mit zeitgenössischer Kunst nicht ganz so vertraut sind wie ich mit Champagner: Hirst wurde 1965 in Bristol geboren und gilt als eine der prägenden Figuren der sogenannten "Young British Artists". Bekannt ist er vor allem für seine Spot Paintings (Leinwände voller bunter Punkte), seine Spin Paintings (entstanden durch rotierende Leinwände) und eben die Kaleidoscope Paintings, die jetzt auch das Dom Pérignon Etikett prägen. Schon 1988 kuratierte er die legendäre Ausstellung "Freeze", die seine Karriere ins Rollen brachte. Mit anderen Worten: Kein Unbekannter, sondern jemand mit einer sehr eigenen, oft provokanten visuellen Sprache.
Das Etikett: Mehr als nur hübsch gemacht
Was mich an dieser Edition besonders fasziniert, ist die Idee hinter dem Design. Das historische Wappenschild von Dom Pérignon verschwindet nicht einfach, es vervielfacht sich. Es schichtet sich, verschiebt sich, als würde man durch ein echtes Kaleidoskop blicken. Für den Vintage 2018 hat Hirst ein tiefes, fast elektrisches Blau mit Violett gewählt, das für Unendlichkeit stehen soll. Beim Rosé Vintage 2010 wird es wärmer: Rosa und Violett, die den Charakter des Pinot Noir widerspiegeln sollen.
Ich finde das clever gelöst. Statt das Markenzeichen zu verstecken oder zu übermalen, spielt Hirst damit, lässt es sich selbst reflektieren. Das passt zu seinem künstlerischen Ansatz (Muster, Wiederholung, optische Täuschung) und fühlt sich trotzdem nicht aufgesetzt an.
Eine Reihe großer Namen
Was diese Kollaboration für mich einordnet: Dom Pérignon macht das nicht zum ersten Mal. Andy Warhol, Jeff Koons, Jean-Michel Basquiat, David Lynch, zuletzt 2025 Takashi Murakami: die Liste der Künstler, die sich an diesem Haus versucht haben, ist beeindruckend. Hirst selbst soll gesagt haben, dass die Anfrage für ihn ein sofortiges Ja war, auch weil er sich damit in diese Reihe einreiht. Das verstehe ich gut. Wenn man weiß, in welcher Gesellschaft man sich damit bewegt, ist das schon eine Form von Ritterschlag in der Kunstwelt.
Und was ist mit dem Wein drin?
Jetzt zum eigentlich Wichtigen für mich als Champagner-Enthusiast: Was ist überhaupt in der Flasche? Und hier muss man ehrlich sein: Es ist derselbe Wein wie in der regulären Abfüllung. Neu sind nur Etikett und Geschenkbox. Das enttäuscht vielleicht manche, die sich eine komplett neue Cuvée erhofft haben, aber ich finde das eigentlich konsequent. Dom Pérignon verkauft hier keinen neuen Wein, sondern eine neue Hülle für einen Wein, der für sich selbst sprechen kann.
Der Vintage 2018 gilt als Jahrgang mit nahezu idealen Wetterbedingungen und früher Reife. Was ich darüber gelesen habe und was auch Kellermeister Vincent Chaperon betont: Mineralität, Frucht und eine spürbare Salzigkeit, dazu eine Tiefe am Gaumen, die für einen noch recht jungen Jahrgang bemerkenswert sein soll. Der Rosé 2010 dagegen klingt nach einem ganz anderen Charakter: dunkler, verschlossener, mit einem Pinot Noir, der ungewöhnlich dicht und kraftvoll auftritt. Genau die Art von Rosé, bei der ich mir vorstelle, dass sie noch Zeit im Glas braucht, um sich wirklich zu öffnen.
Meine ehrliche Einschätzung
Ich bin hin- und hergerissen, wenn es um solche Künstler-Editionen geht. Einerseits: Der Wein ändert sich nicht, man zahlt im Grunde für Design und Limitierung. Andererseits verstehe ich den Reiz total. Champagner und Kunst haben seit jeher eine enge Beziehung, beide leben von Handwerk, Vision und einem gewissen Überfluss an Schönheit, der keinen praktischen Zweck erfüllen muss außer Freude zu bereiten.
Für mich persönlich wäre der Rosé 2010 das spannendere Objekt der Begierde, nicht wegen der Flasche, sondern wegen des Jahrgangs. Aber ich gebe zu: Das Etikett allein würde mich schon neugierig machen, einen Korken zu ziehen. Ob ich mir eine Flasche zulegen würde, hängt am Ende wie immer am Preis, und der wird, wie bei solchen Editionen üblich, sicher kein Schnäppchen sein. Aber als Kunstobjekt mit Champagner drin? Das hat schon was.