Der Knall ist ein Fehler, kein Ziel
Es hält sich hartnäckig: Champagner müsse mit lautem Knall und überschäumend geöffnet werden. Das Gegenteil ist richtig. Ein Korken, der wie ein Geschoss aus der Flasche schießt, bedeutet verlorenen Druck, verschwendeten Champagner und ein echtes Verletzungsrisiko. Ein Korken kann mit über 50 km/h herausfliegen, das reicht, um ein Auge ernsthaft zu verletzen. Gut geöffnet macht eine Flasche nur ein leises Seufzen, in der Champagne sagt man, sie solle klingen wie der „Seufzer einer zufriedenen Frau", nicht wie ein Pistolenschuss.
Erst kühlen, dann öffnen
Eine warme Flasche steht unter höherem Druck und schäumt beim Öffnen leichter über. Deshalb gehört Champagner vor dem Öffnen auf die richtige Trinktemperatur, idealerweise 8 bis 10 Grad. Und ganz wichtig: vorher nicht schütteln. Wenn die Flasche transportiert wurde, gebe ich ihr vorher etwas Ruhe. Während des Trinkens halte ich sie in einem GRAD-Kühler, so bleibt sie ohne tropfendes Eiswasser konstant auf Temperatur.
Schritt für Schritt
- Folie entfernen. Die Kapsel an der Sollbruchstelle aufreißen und abnehmen.
- Daumen auf den Korken. Ab jetzt ruht ein Daumen oder die Handfläche permanent oben auf dem Korken. Er steht unter Druck und kann jederzeit lösen.
- Agraffe lösen. Das Drahtkörbchen, die Agraffe, mit sechs halben Drehungen aufdrehen. Daumen bleibt oben. Manche nehmen den Draht ab, sicherer ist es, ihn als Schutzkappe oben zu lassen.
- Flasche schräg halten. Im 45-Grad-Winkel, weg von Gesichtern, Fenstern und Lampen. Die Schräge vergrößert die Oberfläche und hält den Druck im Zaum.
- Die Flasche drehen, nicht den Korken. Der entscheidende Trick: Den Korken festhalten und die Flasche darum herumdrehen. So behält man die Kontrolle, statt am Korken zu zerren.
- Gegenhalten beim Lösen. Sobald der Korken sich löst, drückt er von selbst. Gegenhalten und ihn langsam entweichen lassen. Das Ergebnis: ein leises Zischen, kein Knall.
Einschenken
Champagner schenke ich in zwei Etappen ein: erst einen Schluck, kurz warten, bis der Schaum sich legt, dann auffüllen. Das verhindert Überschäumen. Wer das Glas dabei leicht schräg hält und den Strahl an der Innenwand entlanglaufen lässt, schont die Perlage zusätzlich. Und natürlich ins Weinglas oder in eine Tulpe, nicht in die Flöte. Sie sieht festlich aus, tötet aber die Aromen. #saynotoflutes
Und das Säbeln?
Das spektakuläre Köpfen der Flasche mit einer Klinge, das Sabrage, ist ein eigenes Thema und Show, kein Standard. Es funktioniert, weil die Klinge die Glasnaht am wulstigen Rand trifft und der Innendruck den Rest erledigt. Für den Alltag braucht es das nicht, und ohne Übung sollte man die Finger davon lassen.
Merksatz: kühlen, nicht schütteln, Daumen oben, Flasche drehen statt Korken ziehen, schräg halten. Dann seufzt die Flasche, statt zu knallen, und kein Tropfen geht verloren.