Malolaktische Gärung im Champagner: Cremigkeit oder Frische?

Die malolaktische Gärung – oder kurz "Malo" – ist eine der faszinierendsten Entscheidungen im Champagner-Keller. Als The Champagne Guy bin ich immer wieder begeistert, wie diese eine Weichenstellung den Charakter eines Champagners komplett verändern kann.

Was passiert bei der malolaktischen Gärung?

Bei der malolaktischen Gärung wandeln Milchsäurebakterien die scharfe Apfelsäure (Malat) in die mildere Milchsäure (Laktat) um. Dieser biologische Prozess findet normalerweise nach der alkoholischen Gärung statt und reduziert den Gesamtsäuregehalt des Weins spürbar.

Der chemische Vorgang im Detail:

  • Apfelsäure (zweiwertig) → Milchsäure (einwertig) + CO₂
  • pH-Wert steigt um 0,3-0,5 Punkte
  • Gesamtsäure sinkt um 1-3 g/l
  • Entstehung butteriger Aromen (Diacetyl)

Warum führen die meisten Produzenten die Malo durch?

Weichheit und Cremigkeit

Die überwiegende Mehrheit der Champagner-Häuser lässt die malolaktische Gärung bewusst zu. Der Grund liegt auf der Hand: Die resultierende Weichheit macht den Champagner zugänglicher und harmonischer.

Vorteile der durchgeführten Malo:

  • Rundere, cremigere Textur
  • Butterige, nussige Sekundäraromen
  • Bessere Integration der Säure
  • Stabilerer Wein (keine Gefahr nachträglicher Malo in der Flasche)

Besonders bei Champagnern mit längerer Hefelagerung entsteht durch die Malo eine wunderbare Synergie: Die cremige Textur der malolaktischen Gärung harmoniert perfekt mit der Brioche-Komplexität der Autolyse.

Warum blockieren manche Produzenten die Malo?

Krug: Der Meister der partiellen Malo

Krug praktiziert eine besonders raffinierte Herangehensweise. Je nach Jahrgang und gewünschtem Stil lässt das Haus die Malo nur in einem Teil der Grundweine zu. Diese partielle malolaktische Gärung ermöglicht eine präzise Kontrolle über das Säure-Profil des fertigen Champagners.

Krugs Philosophie:

  • Jeder Grundwein wird individuell bewertet
  • Malo nur dort, wo sie dem Stil dient
  • Verschnitt aus Malo- und Nicht-Malo-Weinen
  • Maximale Komplexität durch Kontraste

Frische als Stilmittel

Andere Produzenten blockieren die Malo komplett, um die lebendige Frische ihrer Champagner zu bewahren. Besonders bei:

  • Blanc de Blancs: Chardonnay profitiert von der knackigen Säure
  • Jungen Jahrgängen: Erhaltung der Primärfrucht
  • Aperitif-Champagnern: Belebende Frische als Stilziel

Der Einfluss auf den Champagner-Stil

Meine Posts dazu

Aspekt Mit Malo Ohne Malo
Säure Weicher, integriert Knackig, präzise
Textur Cremig, rund Straff, mineralisch
Aromatik Butter, Brioche, Nuss Zitrus, grüner Apfel
Alterungspotenzial Früher trinkreif Längere Entwicklung
Stilrichtung Opulent, zugänglich Puristisch, komplex

Terroir-Ausdruck

Die Malo-Entscheidung beeinflusst auch den Terroir-Ausdruck erheblich. Champagner ohne Malo zeigen oft klarer die mineralischen Eigenschaften ihrer Herkunft – die Kreide von Cramant, die Kraft von Aÿ oder die Eleganz von Mesnil-sur-Oger.

Wie erkenne ich Malo im Glas?

Geschmackliche Indikatoren

Champagner mit durchgeführter Malo:

  • Weichere, rundere Säure
  • Butterige, cremige Noten
  • Brioche- und Gebäckaromen
  • Vollere, samtiger Mundgefühl

Champagner ohne Malo:

  • Präzise, vibrierende Säure
  • Zitrusfrische, grüner Apfel
  • Mineralische Klarheit
  • Straffe, fokussierte Struktur

Praktische Verkostungstipps

Als erfahrener Verkoster rate ich, auf diese Nuancen zu achten:

  1. Ersten Eindruck: Wie weich oder straff wirkt der Champagner?
  2. Mundgefühl: Cremig-rund oder knackig-mineralisch?
  3. Abgang: Butterig-warm oder frisch-kühl?

Die Kunst der bewussten Entscheidung

Was mich als The Champagne Guy besonders fasziniert: Die malolaktische Gärung ist keine technische Notwendigkeit, sondern eine bewusste Stilentscheidung. Jeder Produzent definiert damit seine Champagner-Philosophie.

Die großen Häuser wie Dom Pérignon oder Louis Roederer führen die Malo durch und schaffen damit ihre charakteristische Opulenz. Puristen wie Jacquesson oder manche Grower-Champagner verzichten darauf und setzen auf kristalline Klarheit.

Mein Fazit: Beide Wege haben ihre Berechtigung. Die Malo macht Champagner zugänglicher und harmonischer – ihr Verzicht bewahrt Frische und Terroir-Ausdruck. Als Champagner-Liebhaber schätze ich diese Vielfalt, die uns die malolaktische Gärung als Stilmittel schenkt.

Die nächste Flasche, die Sie öffnen – achten Sie einmal bewusst darauf. Sie werden überrascht sein, wie deutlich sich diese eine Kellertechnik im Glas zeigt.

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