Moët & Chandon

Moët & Chandon

7 Champagner von Moët & Chandon habe ich verkostet — genug, um mir ein fundiertes Bild zu machen. Ein Haus aus der Champagne, arbeitet mit Chardonnay, Pinot Noir, Pinot Meunier und zeigt in seinem Sortiment eine beeindruckende Bandbreite.

Moet & Chandon ist der Elefant im Raum. Das groesste Champagnerhaus der Welt, Teil des LVMH-Konzerns, produziert geschaetzte 30 Millionen Flaschen pro Jahr. Das ist mehr als manche gesamte Appellation in Frankreich. Wenn irgendwo auf der Welt ein Korken knallt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es ein Moet ist.

Man kann das belacheln — und viele Champagner-Enthusiasten tun das. Aber ich finde, Moet verdient mehr Respekt als man ihm zugesteht. Denn bei dieser Menge eine gleichbleibende Qualitaet zu halten, ist eine logistische und oenologische Meisterleistung. Der Chef de Cave muss hier nicht ein paar tausend Flaschen assemblieren, sondern Millionen. Dass der Brut Imperial dabei immer noch trinkbar und sogar angenehm ist, spricht fuer das Koennen des Teams.

Natuerlich: Wer Winzerchampagner gewohnt ist, wird den Brut Imperial als eindimensional empfinden. Ihm fehlt die Ecken und Kanten, die Individualitaet, das Terroir. Aber das ist auch nicht sein Anspruch. Der Brut Imperial soll gefallen, soll zugaenglich sein, soll den Moment feiern. Und das kann er.

Wo Moet wirklich interessant wird, ist beim Grand Vintage und natuerlich bei Dom Perignon. Der Grand Vintage 2013, den ich im Glas hatte, zeigt eine voellig andere Seite des Hauses: kuehler, ernster, strukturierter. Hier spuert man ploetzlich, dass Moet Zugang zu einigen der besten Lagen der Champagne hat — und diese Lagen auch nutzt, wenn es nicht um Volumen geht.

Dom Perignon, die Prestige Cuvee, ist ohnehin ein eigenes Universum. Technisch gehoert Dom Perignon zu Moet, aber in Wahrheit operiert das Team um den Chef de Cave praktisch unabhaengig. Jeder Dom Perignon ist ein Jahrgangschampagner, der nur in herausragenden Jahren produziert wird, und die Reifung in den Kaellern von Hautvillers — dem historischen Kloster, in dem der Moench Dom Perignon selbst wirkte — dauert mindestens sieben Jahre. Ich habe ihn noch nicht verkostet, aber er steht auf meiner Liste.

Das Sortiment

Moët & Chandon bietet 5 verschiedene Cuvées, die ich probieren konnte. Im Programm: Blanc de Blancs, Jahrgangschampagner. Die Bandbreite zeigt, dass hier nicht nur ein Stil beherrscht wird, sondern das gesamte Spektrum der Champagne abgedeckt wird.

Die Cuvées im Detail

Brut Impérial

3x verkostet. Unkomplizierter und zugänglicher Allrounder mit frischem, fruchtigem Charakter. Nicht die große Offenbarung, aber solide für den entspannten Genuss. Highlights: frisch, fruchtig, easy-going, Allrounder. Frische und fruchtige Aromen von grünem Apfel, Zitrusfrüchten und einem Hauch von Brioche. Lebendige Säure und feine Perlage machen ihn zum idealen Begleiter für Austern. Highlights: grüner Apfel, Zitrusfrüchte, Brioche, lebendige Säure.

Dreimal habe ich den Brut Imperial getrunken, und dreimal war er genau das, was er sein soll: unkompliziert, fruchtig, ohne Ecken. Kein Champagner, ueber den man eine halbe Stunde diskutiert, aber einer, der den Abend einlaeuten kann, ohne zu enttaeuschen. Im Vergleich zu den Einstiegschampagnern von Taittinger oder Laurent-Perrier fehlt ihm die Finesse, aber er macht das durch Zugaenglichkeit wett.

Typ: Brut | Rebsorten: Chardonnay, Pinot Noir, Pinot Meunier

Impérial Red Limited Edition

Ein leichter, klarer und unkomplizierter Champagner mit Aromen von grünem Apfel, Zitrus, einem Hauch Brioche und weißen Blüten. Er drängt sich nicht in den Vordergrund, sondern fügt sich harmonisch in den Moment ein. Highlights: grüner Apfel, Zitrus, Brioche, unkompliziert.

Im Grunde der gleiche Champagner wie der Brut Imperial, nur in einer auffaelligeren Flasche. Moet versteht Marketing — und Limited Editions sind Teil des Geschaefts.

Typ: Brut | Rebsorten: Chardonnay, Pinot Noir, Pinot Meunier

Grand Vintage 2013

Zeigt eine kühlere, ernstere Stilistik mit Spannung und Struktur sowie feiner Reife, die sich nicht in den Vordergrund drängt. Aromen von Zitrus, weißem Pfirsich, getoastetem Brioche und leichter Mineralität. Highlights: Zitrus, weißer Pfirsich, getoastetes Brioche, mineralisch.

Der Grand Vintage ist der Champagner, der meine Meinung ueber Moet veraendert hat. 2013 war ein kuehler, spaeter Jahrgang, und genau das spuert man: Spannung statt Opulenz, Struktur statt Weichheit. Wer denkt, Moet kann nur Mainstream, sollte den Grand Vintage probieren. Hier zeigt das Haus, was moeglich ist, wenn man die besten Trauben aus den besten Lagen nimmt und ihnen Zeit gibt.

Mein Tipp: Der Grand Vintage ist das beste Preis-Leistungs-Verhaeltnis bei Moet. Fuer deutlich weniger als Dom Perignon bekommt man einen Jahrgangschampagner, der echten Charakter hat.

Typ: Extra Brut | Jahrgang: 2013 | Rebsorten: Chardonnay, Pinot Noir, Pinot Meunier

Brut

Highlights: Magnum-Format, Genussmoment, entspannter Stil.

Typ: Brut

Impérial Brut

Frische Säure, feine Perlage und ein Hauch Frucht. Klassisch, unkompliziert und vielseitig einsetzbar. Highlights: frische Säure, feine Perlage, Fruchtanklänge, unkompliziert.

Typ: Brut

Meine Tastings

Fazit

Moet & Chandon ist das Haus, bei dem sich die Geister scheiden. Fuer die einen ist es der Inbegriff von Champagner, fuer die anderen Massenware ohne Seele. Ich finde: Die Wahrheit liegt dazwischen. Der Brut Imperial ist solide, nicht mehr. Aber der Grand Vintage zeigt, dass hinter dem Marketing-Giganten echtes Koennen steckt. Und Dom Perignon ist ohnehin eine eigene Geschichte. Wer Moet komplett abschreibt, verpasst etwas.

Region Champagne
Rebsorten Chardonnay, Pinot Noir, Pinot Meunier
Stile Blanc de Blancs, Jahrgangschampagner
Jahrgänge 2013, 2022
Verkostete Champagner 10

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