Klassisch und straff
Ein langer, gleichmäßiger Sommer ohne Hitzeextreme lieferte gesunde Trauben mit außergewöhnlich hohen natürlichen Säurewerten. Die Ernte begann relativ spät und unter idealen Bedingungen. Die Grundweine zeigten sofort ihre Qualität: straff, mineralisch, mit enormem Potenzial.
Charakter und Entwicklung
Der Jahrgang 1988 ist ein Klassiker — im besten Sinne des Wortes. Die hohe natürliche Säure gab den Champagnern ein Stahlgerüst, an dem sich jahrzehntelange Reife abstützen konnte. Chardonnay war besonders herausragend: Blanc de Blancs aus 1988 von der Côte des Blancs gehören zu den langlebigsten Champagnern der Dekade.
1988 markiert den Beginn einer Trilogie großer Jahrgänge (1988, 1989, 1990), die in der Champagne-Geschichte ihresgleichen sucht. Jeder der drei hatte einen eigenen Charakter: 1988 straff und intellektuell, 1989 charmant und zugänglich, 1990 kraftvoll und komplex.
Heute, fast 40 Jahre später, befinden sich die besten 1988er in einem faszinierenden Stadium der Reife. Die einstige Strenge hat sich in eine vibrierende Spannung verwandelt. Noten von Brioche, Honig und kandierten Zitrusfrüchten verbinden sich mit einer immer noch präsenten Mineralität. Wer das Glück hat, einen großen 1988er zu probieren — etwa den Krug 1988 oder den Salon 1988 — erlebt Champagner-Geschichte im Glas.
Der Vergleich zu 1996 drängt sich auf: Beide Jahrgänge stehen für hohe Säure, Langlebigkeit und Chardonnay-Dominanz. 1996 hat den höheren Bekanntheitsgrad, aber 1988 verdient mindestens genauso viel Respekt.
Meine Verkostungen
| Jahrgang | 1988 |
| Charakter | Klassisch und straff |
| Verkostete Champagner | 8 |