Hitze als neue Normalität
2020 war das dritte warm-trockene Jahr in Folge nach 2018 und 2019. Was noch vor zehn Jahren als Ausnahme galt, wurde zur neuen Normalität: Frühe Blüte, heißer Sommer, Ernte im September statt Oktober. Die Champagne — historisch eine der kühlsten Weinbauregionen der Welt — spürt den Klimawandel unmittelbar.
Der Sommer 2020 war durchgehend warm, mit einigen Hitzespitzen im August. Im Gegensatz zu 2019 gab es weniger extreme Rekordtemperaturen, aber die kumulative Wärme über die gesamte Vegetationsperiode war hoch. Die Ernte begann Mitte August — früher als in den meisten Vorjahren.
Was 2020 von 2018 und 2019 unterschied: Es gab mehr Niederschlag, besonders im Frühsommer. Das sorgte für weniger Trockenstress und — entscheidend — etwas bessere Säurewerte als in den beiden Vorjahren.
Stil des Jahrgangs
2020 setzt die Reihe der warmen Jahrgänge fort, zeigt aber mehr Balance als erwartet:
- Reife Frucht — Gelber Pfirsich, Aprikose, Honigmelone
- Moderate Säure — Mehr als 2019, weniger als 2016
- Cremige Textur — Rund, geschmeidig, fast butterig
- Fülle — Breites Mundgefühl, satte Aromen
- Eleganz im Hintergrund — Die besten 2020er haben eine Finesse, die überrascht
Die Rebsorten reagierten unterschiedlich: Chardonnay bewahrte dank der Kreideböden eine mineralische Basis — Blanc de Blancs aus 2020 können überraschend frisch sein. Pinot Noir war kraftvoll und konzentriert, mit reifen Tanninen. Pinot Meunier lieferte üppige, tropisch anmutende Champagner.
Meine Verkostungen
21 Champagner aus 2020 — mein drittmeist-verkosteter Jahrgang. Das liegt daran, dass 2020 aktuell der Jahrgang ist, den viele Winzer als ihre neueste Millésimé-Abfüllung auf den Markt bringen.
Was mich überrascht hat: Die Konstanz der Qualität. Wo ich bei 21 Champagnern Ausreißer nach unten erwartet hätte, fand ich durchweg solide bis hervorragende Weine. Die Winzer der Champagne haben gelernt, mit warmen Bedingungen umzugehen — frühere Lese, schonendere Pressung, gezieltere Selektion.
Besonders beeindruckt haben mich die Blanc de Blancs aus der Côte des Blancs — hier zeigt sich, wie die kalkig-kühlen Böden auch in warmen Jahren eine mineralische Frische bewahren können. Und die Rosés waren in 2020 besonders gelungen: konzentrierte Farbe, intensive Frucht, seidiges Tannin.
2020 ist ein Jahrgang, der die Debatte um den Klimawandel in der Champagne perfekt illustriert. Ja, die Weine sind wärmer im Stil als vor 20 Jahren. Aber nein, das bedeutet nicht, dass sie schlechter sind. Anders, ja. Schlechter? Nein. Die besten 2020er gehören zu den generösesten und zugänglichsten Champagnern, die ich kenne.
Trinkreife und Ausblick
Die meisten 2020er sind jetzt genussreif — die weiche Säure und die reife Frucht machen langes Warten überflüssig. Wer Champagner jung und fruchtig mag, findet in 2020 seinen idealen Jahrgang. Lagern lohnt sich vor allem bei den Prestige Cuvées und den besten Blanc de Blancs — sie haben genug Substanz für 10-15 Jahre Entwicklung.
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| Jahrgang | 2020 |
| Charakter | Warm, reif, überraschend elegant |
| Säure | Moderat (etwas höher als 2019) |
| Vergleich | Fortsetzung der 2018/2019-Linie, etwas ausgewogener |
| Trinkreife | Jetzt bis 2032+ |
| Verkostete Champagner | 11 |