Cristal und der Kalk: Was die Essenz dieses Champagners wirklich ausmacht

Cristal und der Kalk: Was die Essenz dieses Champagners wirklich ausmacht

Es gibt Sätze, die bleiben hängen, obwohl man sie nur gelesen hat. "Die Essenz des Cristal ist der Kalk" – dieser Satz von Jean-Baptiste Lecaillon, dem Chef de Cave von Louis Roederer, ist so ein Satz für mich gewesen. Ich habe ihn gelesen, kurz innegehalten, und dann angefangen, in meinem Kopf jede Cristal-Flasche durchzugehen, die ich je probieren durfte. Und plötzlich ergab vieles mehr Sinn.

Roederer feiert dieses Jahr gleich doppelt: 250 Jahre als Haus, 150 Jahre Cristal. Das sind Zahlen, die einen erstmal demütig machen. Ein Champagner, der seit anderthalb Jahrhunderten existiert und trotzdem – zumindest für mich – nie langweilig geworden ist. Aber worüber ich eigentlich schreiben will, ist nicht das Jubiläum selbst, sondern diese eine Idee: dass die ganze Identität eines Champagners auf etwas so Unspektakulärem wie Kalkstein zurückzuführen sein soll.

Was hat Kalk überhaupt mit dem Geschmack zu tun?

Als Enthusiast stößt man früher oder später immer wieder auf das Wort "Terroir" – und ehrlich gesagt fand ich den Begriff lange etwas nebulös. Erde soll man schmecken können? Klingt erstmal nach Marketing-Poesie. Aber je mehr ich mich mit der Champagne beschäftigt habe, desto mehr verstehe ich, warum gerade der Kalkstein dort so eine zentrale Rolle spielt.

Der Boden in Teilen der Champagne, besonders in der Montagne de Reims, wo die Cristal-Trauben unter anderem herkommen, besteht aus einem sehr speziellen Kalkstein namens "Belemnitenkreide" – benannt nach fossilen Tintenfisch-artigen Tieren, die vor Jahrmillionen dort im Meer lebten. Dieser Kalk speichert Wasser wie ein Schwamm und gibt es in trockenen Perioden langsam an die Reben ab, während er bei Regen überschüssiges Wasser gut ableitet. Das Ergebnis: Die Reben stehen nie unter extremem Stress, aber auch nie im Übermaß an Wasser. Eine Art natürliche Regulierung.

Was das mit dem Geschmack macht, ist schwer in Worte zu fassen, aber ich versuche es trotzdem: Champagner von kalkreichen Böden haben für mich oft diese unglaubliche Spannung – eine Salzigkeit, eine Kreidigkeit, die im Mund fast wie ein Vibrieren wirkt. Bei Cristal ist das besonders ausgeprägt. Es ist nicht die fruchtigste oder üppigste Cuvée, die ich kenne, aber sie hat eine Präzision, die ich sonst selten finde.

Warum "Essenz" das richtige Wort ist

Ich finde es spannend, dass Lecaillon nicht von Rebsorte, nicht von Dosage, nicht mal von der berühmten Kristallflasche selbst spricht, wenn es um die Essenz von Cristal geht – sondern vom Boden. Das sagt für mich viel über die Philosophie hinter diesem Champagner aus. Es geht offenbar nicht in erster Linie darum, einen möglichst beeindruckenden oder lauten Wein zu machen, sondern einen, der einen Ort hörbar macht.

Für mich als Hobby-Verkoster ist das der Unterschied zwischen einem guten und einem wirklich großartigen Champagner. Guter Champagner schmeckt n

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