Roederer kauft sich in Burgund ein: Was die Domaine Pierre Damoy-Übernahme bedeutet

Roederer geht fremd – und ich finde das spannend

Als ich die Meldung zum ersten Mal gelesen habe, musste ich kurz zweimal hinschauen: Louis Roederer, eines der renommiertesten Champagnerhäuser überhaupt, kauft sich in Burgund ein. Konkret geht es um die Domaine Pierre Damoy, ein Weingut, das für seine Grand-Cru-Lagen in der Côte de Nuits bekannt ist – unter anderem mit Anteilen am legendären Chambertin. Für mich als jemand, der Champagner aus Leidenschaft verkostet und sammelt, ist das eine Nachricht, die man einordnen muss, statt sie einfach als weitere Firmen-Meldung abzutun.

Was ist eigentlich passiert?

Roederer hat die Domaine Pierre Damoy übernommen und damit erstmals in seiner Geschichte Fuß in Burgund gefasst. Das Timing ist kein Zufall: Das Haus feiert gerade sein 250-jähriges Bestehen. Ein solches Jubiläum ist für viele Champagnerhäuser der Moment, um große strategische Weichen zu stellen – sei es durch neue Cuvées, durch Investitionen in Rebflächen oder eben durch eine Expansion in eine ganz andere Weinregion.

Was mich daran besonders interessiert: Domaine Pierre Damoy ist kein x-beliebiges Weingut. Die Grand-Cru-Parzellen in der Côte de Nuits gehören zu den begehrtesten und teuersten Lagen Frankreichs überhaupt. Wer sich mit Burgunder-Pinot Noir beschäftigt, weiß, dass solche Flächen praktisch nie auf den Markt kommen – meist wechseln sie innerhalb von Familien oder durch sehr diskrete Deals den Besitzer.

Warum Burgund? Warum jetzt?

Ich glaube, dass hier mehrere Dinge zusammenkommen. Zum einen ist Roederer als Familienunternehmen finanziell in einer sehr komfortablen Position – sie sind nicht auf schnelles Wachstum durch Fremdkapital angewiesen und können langfristig denken. Zum anderen sehe ich seit einer Weile einen Trend: Champagnerhäuser, die traditionell stark auf ihre eigene Region fokussiert waren, schauen zunehmend über den Tellerrand. Man erinnert sich vielleicht an andere Champagnerhäuser, die in den letzten Jahren Weingüter in Übersee oder in anderen französischen Regionen erworben haben.

Für mich als Enthusiast macht das durchaus Sinn. Pinot Noir ist ja die verbindende Rebsorte zwischen Champagne und Burgund – wer sich mit der einen beschäftigt, landet früher oder später fasziniert bei der anderen. Champagner und roter Burgunder werden aus derselben Traube gemacht, aber das Ergebnis könnte unterschiedlicher kaum sein: hier die Frische und Perlage nach der zweiten Gärung, dort die stille, oft jahrzehntelang reifende Kraft eines Grand-Cru-Rotweins.

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