Klimawandel in der Champagne: Kommt jetzt die Rückkehr zum Stillwein?
Ein Satz, der mich nicht mehr losgelassen hat
Vor ein paar Wochen bin ich über eine Aussage von Frédéric Rouzaud gestolpert, dem Chef von Louis Roederer, anlässlich der Jubiläen des Hauses und von Cristal. Er sagte sinngemäß, man werde künftig vielleicht wieder mehr Stillwein erzeugen. Kein Champagner, sondern stiller Wein aus Champagner-Trauben.
Ich musste den Satz zweimal lesen. Für mich als Champagner-Enthusiast klingt das erstmal fast ketzerisch. Aber je länger ich darüber nachgedacht habe, desto mehr ergibt er Sinn — und desto spannender finde ich, was das für die Zukunft dieser Region bedeuten könnte.
Warum überhaupt Stillwein aus der Champagne?
Um zu verstehen, warum diese Aussage so bemerkenswert ist, muss man kurz zurückblicken. Bevor die Champagne DIE Champagne wurde, wie wir sie kennen, war sie über Jahrhunderte hinweg vor allem für ihre stillen Weine bekannt. Die Perlage, die wir heute mit der Region untrennbar verbinden, war lange eher ein Betriebsunfall als das Ziel — ein Nebeneffekt der zweiten Gärung, den man erst mit der Zeit zu kontrollieren und schließlich zu zelebrieren lernte.
Dass ein Haus wie Roederer, das für Cristal einen der prestigeträchtigsten Champagner überhaupt herstellt, öffentlich über eine Rückkehr zu mehr Stillwein spricht, hat für mich also fast etwas Historisches. Es klingt wie eine Rückbesinnung auf etwas, das lange vor der Perlage da war.
Der eigentliche Grund: Der Klimawandel verändert die Trauben
Was mich an dieser Aussage wirklich beschäftigt, ist der Grund dahinter. Es geht nicht um Nostalgie, sondern um Physiologie der Trauben. Die Champagne war historisch die nördlichste ernsthafte Weinbauregion Europas — genau deshalb funktionierte hier die Champagner-Methode so gut. Kühles Klima bedeutet: hohe Säure, moderater Alkohol, zurückhaltende Reife. Perfekte Voraussetzungen für einen Grundwein, der später die zweite Gärung und lange Reife auf der Hefe verträgt.
Mit steigenden Durchschnittstemperaturen verschiebt sich dieses Gleichgewicht. Die Trauben erreichen früher mehr Zucker, die Säure baut schneller ab, die Erntetermine wandern jedes Jahr ein Stückchen nach vorne. Was ich daraus verstehe: Wenn die Grundweine von Natur aus reifer, kräftiger und alkoholreicher werden, eignen sich manche Partien vielleicht irgendwann besser für stille Weine als für die traditionelle Assemblage.
Das ist übrigens kein Nischenthema mehr. Auch andere Häuser in der Region experimentieren längst mit ruhigen Weißweinen und sogar Rotweinen aus Pinot Noir und Chardonnay — teils unter der Bezeichnung Coteaux Champenois, die es offiziell schon lange gibt, aber bisher eher ein Randprodukt war.
Was bedeutet das für uns als Genießer?
Für mich als jemand, der zuhause gerne verschiedene Champagner nebeneinander verkostet, wirft das eine spannende Frage auf: Verändert sich der Charakter des Champagners selbst, den wir in den nächsten zwanzig, dreißig Jahren im Glas haben werden?
Ich vermute: ja, graduell. Wenn die Grundweine mehr Frucht und weniger Säure mitbringen, könnte sich auch der Stil vieler Cuvées langsam verschieben — vielleicht hin zu etwas runderen, weniger messerscharfen Champagnern. Häuser mit großem önologisch