Ayala Le Blanc de Blancs A/19: Sechs Chardonnay-Crus und ein neues Jahrgangskonzept

Ayala und der Chardonnay: eine Beziehung mit System

Wenn ich an Häuser denke, die ihren Stil konsequent um Chardonnay herum aufbauen, fällt mir Ayala immer relativ schnell ein. Das Haus aus Aÿ, 1860 gegründet und seit 2005 Teil der Bollinger-Gruppe, setzt seit Langem auf Chardonnay als Rückgrat seines Stils. Mit Le Blanc de Blancs A/19 bringt Ayala nun die zweite Ausgabe eines Konzepts auf den Markt, das im Vorjahr mit A/18 gestartet ist. Für mich als Enthusiast ist das einer dieser Fälle, bei denen ein Etikett mehr erzählt, als man zunächst denkt.

Was bedeutet das neue Etikett-Prinzip?

Das "A" steht schlicht für Ayala, die Zahl dahinter für das Erntejahr. Klingt simpel, ist es im Kern wohl auch. Aber dahinter steckt eine Idee, die ich sehr sympathisch finde: Jede Ausgabe soll eine andere Facette der Chardonnay-Terroirs der Champagne zeigen. Nicht als starre Cuvée-Formel, sondern als eine Art fortlaufendes Projekt. Nach A/18 folgt jetzt A/19, und laut Haus sollen weitere Jahrgänge folgen, die jeweils eigene Schwerpunkte setzen. Das erinnert mich ein bisschen an die Idee hinter manchen Einzellagen-Projekten anderer Häuser, nur eben als jahrgangsbezogene Reihe statt als fixe Parzellenserie.

Sechs Crus, eine Rebsorte

Für A/19 stammen die Trauben aus sechs Grand- und Premier-Cru-Lagen: Chouilly, Cramant, Le Mesnil-sur-Oger, Oger und Cuis in der Côte des Blancs sowie Vaudemange in der Montagne de Reims. Wer sich mit Chardonnay in der Champagne beschäftigt, weiß, wie unterschiedlich diese Lagen ticken können. Cramant und Le Mesnil gelten gemeinhin als sehr mineralisch und strukturgebend, Chouilly wirkt oft etwas offener und früher zugänglich, Vaudemange wiederum bringt als Montagne-de-Reims-Lage eine andere Bodenstruktur mit ins Spiel als die klassische Côte des Blancs. Dass Ayala diese sechs Crus kombiniert statt sich auf eine Handvoll Top-Lagen zu beschränken, lese ich als bewusstes Statement: Hier soll nicht die eine perfekte Parzelle im Vordergrund stehen, sondern die Bandbreite dessen, was Chardonnay in der Region leisten kann.

Die Ernte 2019 begann Anfang September, und das Haus beschreibt die Trauben als gesund und von seltener Qualität. Solche Aussagen nehme ich grundsätzlich mit einer Prise Gelassenheit, jedes Haus lobt seinen eigenen Jahrgang. Das Haus selbst spricht von ausgewogenen, eleganten und strukturierten Weinen mit gutem Reifepotenzial.

Extra Brut als Hausstil

Rund sechs Jahre Hefelager und eine Dosage von 5 Gramm pro Liter, also Extra Brut, das ist bei Ayala kein Zufall, sondern Prinzip. Alle Blanc de Blancs des Hauses werden so ausgebaut. Mich persönlich spricht dieser Ansatz an, weil er dem Chardonnay viel Raum lässt, seine eigene Struktur zu zeigen, ohne von zu viel Zuckerung überdeckt zu werden. Sechs Jahre auf der Hefe sind zudem kein Pflichtprogramm, sondern deutlich mehr als gesetzlich für einen Jahrgangschampagner nötig wäre, das baut Tiefe auf, die ich bei jungen Chardonnay-Cuvées manchmal vermisse.

Ayala neben Bollinger: zwei getrennte Welten

Was ich an der Konstellation Ayala und Bollinger interessant finde: Obwohl beide Häuser zur gleichen Gruppe gehören, bleiben die Stile klar getrennt. Bollinger setzt traditionell stark auf Pinot Noir, Ayala baut seine Identität rund um Chardonnay auf. Geschäftsführer Hadrien Mouflard bezeichnet den Blanc de Blancs als Signature-Champagner des Hauses, und das deckt sich mit dem Eindruck, den ich aus der Range von Ayala insgesamt mitnehme.

Neue Kellerei, neue Möglichkeiten

Spannend finde ich auch den Hintergrund: 2026 hat Ayala eine neue Kellerei in Aÿ eröffnet, mit 120 kleinen Edelstahltanks für Mikrovinifikation nach Cru und Rebsorte getrennt. Angeliefert werden nur Trauben, vinifiziert wird alles vor Ort. Bei insgesamt 70 Crus, davon 50 Chardonnay-Lagen, beliefert von über 100 Winzern, eröffnet das theoretisch enorme Möglichkeiten, einzelne Terroirs präziser abzubilden. Dass die eigenen sieben Hektar seit der Ernte 2025 bio-zertifiziert sind, passt ins Bild eines Hauses, das gerade sichtbar in Infrastruktur und Ausrichtung investiert.

Mein Fazit

Probiert habe ich A/19 noch nicht, Degorgierdatum, Flaschenzahl und Preis sind bislang auch nicht bekannt. Aber allein das Konzept finde ich reizvoll: eine Reihe, die Jahr für Jahr unterschiedliche Chardonnay-Terroirs zusammenbringt, mit konsequentem Extra-Brut-Stil und ordentlich Reifezeit im Keller. Für mich als Chardonnay-Fan steht A/19 schon jetzt auf der Liste der Champagner, die ich mir zuhause unbedingt mal ins Glas schenken möchte, sobald er verfügbar ist.

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