Chavost: Paradoxe 2025

Chavost: Paradoxe 2025

Die Cuvée

Chavost trägt den Namen seines Dorfes. Chavot-Courcourt liegt südlich von Épernay, an einem Hang, den das Haus der Vallée de la Marne zurechnet, und keltert als Récoltant-Manipulant ausschließlich aus eigenen Trauben. Über 19 Hektar verteilt sich eine Maison, die sich gerade neu erfindet: fünf Hektar werden biologisch, teils biodynamisch bewirtschaftet und sind AB-zertifiziert, die übrigen vierzehn folgen noch dem raisonnée-Prinzip. Man sieht einem Betrieb beim Umbau seiner eigenen Überzeugungen zu.

Im Keller wird diese Haltung radikal. Chavost arbeitet sans soufre, ohne zugesetzten Schwefel, verzichtet auf Filtration und Schönung und lässt die Moste spontan vergären. Das ist Naturwein-Denken im Herzen der Champagne, mit allem Risiko, das dazugehört: wo nichts korrigiert wird, kann auch nichts kaschiert werden. Ausgebaut wird in Edelstahl, ergänzt um etwas leichtes Holz, die malolaktische Gärung läuft vollständig durch. Und am Ende fehlt die Geste, die fast alle anderen Häuser pflegen, die Dosage. Was bei Chavost ins Glas kommt, ist Brut Nature, null Gramm, ungeschönt bis zum Schluss.

Diese Kompromisslosigkeit zieht sich durch die ganze Range. Neben der Assemblage aus Chardonnay und Meunier zerlegt das Haus seine Reben auch in Einzelporträts, einen Blanc de Chardonnay und einen Blanc de Meunier, dazu kommen ein Rosé und experimentelle Cuvées wie Eurêka!. Jede einzelne entsteht unter derselben Linse: keine Dosage, kein Schwefel, kein Netz.

Paradoxe ist die Cuvée, die dieses Selbstverständnis am offensten ausstellt. Ein Brut Nature aus Chardonnay und Meunier, der seinen Namen wörtlich nimmt. Deutlich von der Autolyse geprägt, mit Noten von Hefe, Brot und Teig, dabei jung, energisch und mit einer kantigen Perlage, die das frische Dégorgement vom Juni 2025 verrät. Kein Zucker glättet die Kanten, kein Schwefel beruhigt den Wein. Genau dieser Widerspruch, roh und präzise zugleich, ist nicht Zufall, sondern Programm.

Meine Tastings

Der Paradoxe war für mich eine spannende, leicht fordernde Flasche, vor allem wegen seiner Hefenote.

Im Glas zunächst deutlich geprägt von Autolyse: Hefe, Brot, ein Hauch Teig, präsent, aber nicht schwer. Gleichzeitig wirkt der Wein noch erstaunlich jung, fast ein wenig unruhig, als wäre er noch nicht ganz angekommen.

Diese Flasche hier wurde erst im Juni 2025 dégorgiert. Diese Frische nach dem Dégorgement ist spürbar. Die Perlage noch etwas kantig, die Struktur straff, die Aromen eher linear als ausformuliert. Weniger Tiefe, mehr Energie.

Getrunken haben wir ihn zu Tacos mit Guacamole, Zwiebeln, würzigem Fleisch, Koriander, einem Spritzer Zitronensaft und etwas Sriracha, und genau hier hat der Champagner richtig Spaß gemacht. Die Hefe puffert die Schärfe, die Säure schneidet durch Fett und Avocado, und die fehlende Dosage hält alles trocken und fokussiert. Ein echtes Mitgehen mit dem Essen.

Trotzdem bleibt er kompromisslos: kein Schwefel, kein Dosage-Eingriff, alles ist direkt, ehrlich und ungeschönt. Chardonnay und Meunier tragen den Wein, ohne ihn rundzupolieren.

Für mich ein Paradoxe im besten Sinne: spannend, noch in Bewegung, und eine Flasche, die man entweder bewusst jung trinkt oder ihr noch Zeit gibt.

Details

Produzent Chavost
Cuvée Paradoxe
Jahrgang 2025
Kategorie Brut Nature
Rebsorten Chardonnay, Pinot Meunier
Terroir Chavot-Courcourt, Vallée de la Marne
Stil Brut Nature, sans soufre
Highlights Sans soufre, keine Filtration, Spontangärung, Autolyse, jung & energisch
Passt zu Würzige Tacos, Käse

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