
Champagne Erick Schreiber
Drei Sachen heben diese Maison für mich aus dem Rauschen heraus, und keine davon ist Marketing:
Erstens: Kimméridgien-Boden. Das ist der Boden, den die meisten mit Chablis verbinden — bläulich-grauer Mergel-Kalkstein, durchsetzt mit fossilen Austern aus dem Jura. Dass es ihn in der Champagne überhaupt gibt, wissen die wenigsten. Er taucht im Süden auf, in der Vallée de la Seine und in der Côte des Bar — also genau dort, wo Schreiber sitzt. Für Pinot Noir bedeutet das eine bestimmte Art von Spannung: mineralisch, leicht straff, weniger fett-fruchtig als die kalkigeren Böden weiter nördlich. Die Maison sagt es im Klartext: „Notre sol géologique le ‚Kimméridgien' de la vallée de la Seine apporte une grande finesse à tous nos Pinots Noirs." Punkt.
Zweitens: Demeter + Ecocert. Beide Zertifizierungen. Das heißt nicht „bisschen umweltbewusst", sondern: Bio nach Ecocert-Standard (keine synthetischen Pestizide, keine chemischen Düngemittel, jährliche Kontrolle) plus Biodynamie nach Demeter (geschlossener Hof-Organismus, biodynamische Präparate, Mondkalender bei Kellerarbeit). Beides parallel — das ist ein Schritt über HVE und VDC hinaus. In der Champagne hat eine zweistellige Prozentzahl der Häuser HVE; Demeter-zertifiziert sind weniger als zwei Prozent.
Drittens: Pinot Blanc und Pinot Gris. In der MK Minéral Rosé 2020 sind je 20 % Pinot Blanc und Pinot Gris drin. Die beiden Cépages sind in der Champagne zugelassen, aber selten — die meisten Häuser arbeiten ausschließlich mit den drei Hauptsorten. Vier Cépages in einer Cuvée, davon zwei Raritäten, ist ein Statement.

Wer und wo
Die Maison trägt den Namen Erick Schreiber und sitzt in der Côte des Bar / Vallée de la Seine in der Aube. Léa Remy signiert die Mails — sie ist die Communication-Person in der Maison. Wie genau Generation und Übergabe organisiert sind, kann ich aus dem bisherigen Material noch nicht sauber rekonstruieren — das gehört zu den Fragen, die nach dem Maison-Besuch hier eingearbeitet werden.
Vignoble & Boden
Region: Aube — Côte des Bar — Vallée de la Seine.
Boden: Kimméridgien. Der gleiche Marl wie in Chablis (geologisch genau genommen die Étage Kimméridgien aus dem oberen Jura, ~150 Millionen Jahre alt). In der Champagne taucht er fast ausschließlich im südlichen Teil auf — die nördlicheren Cru-Dörfer der Marne sitzen auf jüngerem Kreide-Substrat. Wer einen Pinot Noir auf Kimméridgien gegen einen Pinot Noir auf Reims-Kreide verkostet, merkt den Unterschied recht schnell: Kimméridgien bringt eine schlankere, salzigere Mineralität, die Kreide eine breitere, weichere.
Cépages: Pinot Noir dominiert (in der Initial Brut zu 91 %), Chardonnay spielt nur eine Nebenrolle, plus die zwei Raritäten Pinot Blanc und Pinot Gris (in der MK Rosé). Pinot Meunier kommt im niedrigen einstelligen Bereich vor.
Zertifizierungen: Ecocert + Demeter. Beides ist auf den offiziellen Fiches Techniques der Cuvées dokumentiert. Konkret heißt das:
- Ecocert ist der größte französische Bio-Kontrolleur. Die Auflagen sind die EU-Bio-Standards: keine synthetischen Pestizide, keine systemischen Fungizide, keine chemischen Düngemittel, jährliche externe Kontrolle, fünfjähriger Konversions-Vorlauf.
- Demeter ist das Biodynamie-Label. Zusätzlich zu allen Bio-Vorgaben: Verwendung der biodynamischen Präparate (Hornmist 500, Hornkiesel 501 und sechs weitere), Behandlung des Weinguts als geschlossener Organismus, Berücksichtigung des Mondkalenders bei Weinberg- und Kellerarbeit, eigene Tiere oder Tier-Dung im Hof-Kreislauf.
Wer beides parallel macht, hat sich entschieden — und der Aufwand ist real, weil zwei separate Audit-Schleifen pro Jahr laufen.
Die Cuvées
Hier zwei Cuvée-Profile aus den vollständigen Fiches Techniques der Maison. Die Range hat noch mehr Cuvées (auf champagne-schreiber.fr ersichtlich) — wenn ich die im Glas hatte, ergänze ich hier.

Initial Brut
Die Einstiegs-Cuvée — und gleichzeitig das, was die Maison selbst als „champagne de toutes les fêtes" einordnet.
- Cépages: 91 % Pinot Noir, 4,6 % Chardonnay, 2,7 % Pinot Gris, 1,7 % Pinot Meunier
- Assemblage der Jahrgänge 2023, 2022, 2021 (kein Millésime)
- 18 % Réserve-Wein
- 3,7 % Passage en fût (kleiner Holzanteil, gibt der Cuvée Textur ohne sie holzig zu machen)
- Dosage 4,75 g/l — formal Brut, in der Praxis am unteren Rand
- Zertifizierung auf der Fiche ausgewiesen: Ecocert + Demeter
- Conservation: 3 bis 5 Jahre laut Maison
- Format: 37,5 cl / 75 cl / 150 cl
Maison-Beschreibung: „fruité, gourmand, expressif". Was die Fiche zusätzlich erwähnt — und was ich erfreulich finde — ist die Glas-Empfehlung der Maison selbst: „verres assez évasés à la base qui se referment au-dessus". Also Tulpen, keine Flöten. Das passt zu allem, was ich sonst zu Champagner-Gläsern empfehle.
MK Minéral Rosé 2020 (M.K. 157-20)
Die Premium-Cuvée — und die mit den interessantesten Stil-Entscheidungen.
- Cépages: Rosé de Saignée mit 4 Sorten: 40 % Pinot Noir, 20 % Chardonnay, 20 % Pinot Blanc, 20 % Pinot Gris
- Jahrgang: 2020 (echtes Millésime)
- 51,75 % Passage en fût — über die Hälfte der Cuvée hat Holzkontakt. Das ist sehr unüblich für Rosé, der in der Champagne meistens reduktiv-frisch ausgebaut wird
- Dosage 1,60 g/l — de facto Brut Nature
- Zertifizierung: Ecocert + Demeter
- Conservation: 7 bis 10 Jahre — also explizit als Cuvée mit Lagerpotential positioniert
- Format: 75 cl
Drei Statements in einer Flasche: vier Cépages (mit Pinot Blanc + Gris als Raritäten), mehr als die Hälfte im Holz (gegen den allgemeinen Reduktions-Trend bei Rosé), und knapp keine Dosage (für eine Maison, deren Range sonst bei knapp 5 g/l liegt). Das sind keine zufälligen Parameter, das sind Entscheidungen.
Maison-Beschreibung: „Richesse, minéralité et grande finesse en bouche."
Meine Verkostung
Sample ist unterwegs. Léa Remy hat am 19.05.2026 den Versand der beiden Cuvées zugesagt — Initial Brut und MK Minéral Rosé 2020. Diese Seite ist als Vorschau angelegt; sobald die Flaschen hier eintreffen und ich sie ruhig im Glas hatte, kommen die Tasting-Notes hierher und ersetzen diesen Hinweis. Plus: das schriftliche Interview mit der Maison läuft parallel, die Antworten werden in einen ergänzenden Absatz eingearbeitet.
Fakten
| Maison | Champagne Erick Schreiber |
| Kategorie | RM (Récoltant-Manipulant) |
| Region | Aube — Côte des Bar — Vallée de la Seine |
| Boden | Kimméridgien (Chablis-Verwandtschaft) |
| Zertifizierungen | Ecocert (Bio) + Demeter (Biodynamie) |
| Hauptrebsorte | Pinot Noir (~91 % in Initial Brut) |
| Raritäten | Pinot Blanc + Pinot Gris (je 20 % in MK Rosé) |
| Cuvées dokumentiert | Initial Brut · MK Minéral Rosé 2020 |
| Communication | Léa Remy |
| Mail (Communication) | gestion@champagne-schreiber.fr |
| Mail (allgemein) | champagne.schreiber@orange.fr |
| Website | champagne-schreiber.fr |
| Glas-Empfehlung (Maison) | Tulpen-Form — „évasés à la base qui se referment au-dessus" |
| Verkostete Cuvées (TCG) | 0 — Sample unterwegs |
Quellen für dieses Portrait: Fiches Techniques direkt von der Maison (Initial Brut, MK Minéral Rosé 2020), Photo-Material (drei Bilder im Erstpaket, weitere von Léa angekündigt — jardin extérieur avec bar, intérieur, salle des fûts), Mail-Austausch mit Léa Remy vom 19.05.2026. Verkostungs-Notizen und Interview-Antworten folgen nach Eintreffen der Sample-Flaschen.